Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
145
Einzelbild herunterladen
 

Arraales Petaviani. Hofannalen. 145

ich einen Gegengrund nicht zu erkennen vermag. Erheblicher sindeinige Ungenauigkeiten, welche er nachweist, und mehr noch dieUebereinstimmung in manchen Angaben und Ausdrücken mit denAnn. Laureshamenses. Aehnliche Spuren in anderen Annalen führenihn zu der Annahme von verlorenen Hofannalen (S. 52), welche771 oder 772 nach dem Beginn der Alleinherrschaft Karls ange-fangen, etwa bis 803 (Ende der Lauresham.) oder 801 (Ende derGuelferbyt.) fortgeführt wurden, ziemlich umfangreich waren, unddeshalb in sehr verschiedener "Weise ausgenutzt wurden, ihre Spurenaber in vielen Annalen hinterlassen haben. Vielleicht durch dieüberwiegende Autorität und Verbreitung der sog. Königsannalen(Laurissenses) wäre das ältere Werk in den Hintergrund gedrängtund endlich verloren. Einen geradezu offiziellen Charakter und Ur-sprung will Arnold nicht annehmen, wohl aber Entstehung am Hofe,welche auch mir unzweifelhaft ist. Als Auszug aus diesen Annalenhätten wir also auch den letzten Theil der Petaviani zu betrachten,welcher durch ceremonielle Ausdrucksweise deutlich höfischen Ur-sprung zeigt. Beginnt diese schon 760, so kann sie auf diese Streckedurch Ueberarbeitung übertragen sein. Doch wird, wie schon er-wähnt, von Waitz die Existenz solcher Hofannalen bestritten, undwir werden wenigstens nur mit grofser Vorsicht von einem solchenWerke reden dürfen.

Neben dieser Fortführung der Annales Petaviani wurden nunauch jene Ann. Mosellani in gleicher Weise fortgesetzt, ebenfallsschon von dem ersten Hauch der karolingischen Zeit berührt undvon räthselhaften Notizen zur Erzählung übergehend; doch lassenauch hier auffallende Uebereinstimmungen anstatt ganz selbständigergleichzeitiger Aufzeichnung vielmehr Benutzung einer gemeinsamenQuelle voraussetzen. Wenn nun in diesem Theile zweimal der Todeines Abtes von Lorsch erwähnt wird, so darf das nicht auffallenbei einem Kleriker, der etwa im Gefolge des Bischofs von Metzdem Hoflager folgte; ein Mönch aber hätte wohl schwerlich so aus-schliefslich seinen Blick auf den König und die allgemeinen Reichs-begebenheiten richten können. Nach dem Jahre 785 sind dieseAnnalen wiederum durch Abschriften verbreitet; diejenigen, welchePertz wegen einiger localer Zusätze Annales Laureshamensesgenannt hat 1 ), eine aus gemeinsamer Quelle stammende Nebenform

') Annales Laureshamenses MG. I, 22—39, bis 7G8 neben den Ann.Alarn. Guelferbyt. und Nazar. gedruckt. Die damals in St. Paul vergeblichgesuchte Hs. ist von Dr. Holder gefunden, und von Katz im Jahresberichtdes Stifts 1889 herausgegeben, vgl. NA. XV, 425. Ueber das Fragmentum

Wattenbach, Geschichtsquellen I. 6. Aufl. 10