Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
142
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142 H- Karolinger. § 3. Annalen.

erhalten, weil 782 und 809 Beziehungen auf das Kloster Saint-Amandvorkommen; dem früheren Theile fehlen sie und der Inhalt ist durch-aus reichsgeschichtlich. Die Ursprünglichkeit ihrer jetzt vorliegendenForm ist angegriffen, eine verlorene Quelle oder etwas reichere Formangenommen, aber als ein ziemlich treues Abbild dieser eben be-ginnenden Annalistik werden wir sie doch betrachten dürfen.

Vom ersten Anfang an sind diese Annalen karolingisch. Siebeginnen mit der dauernden Festsetzung dieses Hauses im Besitzder Macht, mit der Begründung einer neuen Ordnung der Dinge,der Morgendämmerung einer besseren Zeit, welche wieder Hoffnungenerweckte und die Seelen nicht mehr mit dem trostlosen Gedankenvon dem nahe bevorstehenden Untergange der "Welt erfüllte.

Die am Eingang stehende Nachricht von der Schlacht bei Tertri687 ist nachträglich zugesetzt; die regelmäfsig fortgesetzten Auf-zeichnungen beginnen erst 708, und auch von da an möchte ichnoch nicht behaupten, dafs gleich von Anfang an alles gleichzeitigeingetragen wäre; die Form der kurzen und noch sehr dürftigenBemerkungen, wenn man z. B. zu dem Jahr 708, wo Ostern aufden 15. April fiel, an den Rand schrieb: (Das war damals) als Drogoim Frühjahr starb') — deutet eher auf ein späteres Besinnen undUeberdenken der Vergangenheit. Auch ist das ganz natürlich; solange der Eindruck noch frisch ist, fühlt man kein Bedürfnifs ihnkünstlich festzuhalten, und erst später macht sich das Verlangengeltend, die verschiedenen Erinnerungen aus einander zu halten undzu ordnen. Wenn aber nun eine Reihe solcher Aufzeichnungen bei-sammen ist, dann ändert sich der Gesichtspunkt, man legt Werthauf diese Zusammenstellung und setzt sie um ihrer selbst willenfort, trägt Jahr für Jahr die wichtigsten Begebenheiten ein, um fürspätere Zeiten ein Denkmal zu hinterlassen. Jene Annalen nun,welche in ihrer Fortsetzung bis 810 deutliche Beziehungen zu Saint-Amand enthalten, entbehren in ihrem früheren Theile bis 771 undnoch darüber hinaus jeder Hinweisung auf dieses Kloster oder dessenUmgegend; sie verzeichnen nur die grofsen Reichsbegebenheiten,die Feldzüge jedes Jahres und zuweilen einen Todesfall oder einenanderen merkwürdigen Vorfall, so kurz, dafs die eigentliche Kennt-nifs von den Dingen vorausgesetzt wird; an Erzählung ist kein Ge-danke, nur an chronologische Ordnung der Erinnerungen. Giesebrechthält die Aufzeichnung dieser Notizen im Cölnischen für sehr wahr-

270, vgl. Waitz, HZ. XXVIII, 200, sind das Fragm. Chesnianum der Ann.Laureshamenses, NA. II, 329.

') Quando Droco mortuus mit in vernale tempore.