Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
137
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Bonifatius. Willibald und Wynnebald. 137

"Von Lullus, Bonifatius Schüler und Nachfolger, besitzen wirebenfalls eine Biographie, in welcher kürzlich Holder-Eggor ein WerkLamberts erkannt hat, und welche deshalb als solche später zuerwähnen sein wird. Ihr geschichtlicher Werth ist unbedeutend').

Dagegen ist als ein merkwürdiges Denkmal dieser Zeit noch dasLeben der beiden Brüder Willibald und Wynnebald zu nennen 2 ),verfafst von einer Nonne des Klosters Heidenheim, welches Wynne-bald um 751 gestiftet hatte und bis zu seinem Tode (19. Dec. 761)leitete, während Willibald 741 von Bonifaz zum ersten Bischof vonEichstedt geweiht war. Wie diese Brüder, so stammte auch dieVerfasserin, welche mit ihnen verwandt war, aus England, von wosie erst nach Wynnebalds Tod nach Heidenheim kam. Ihr Werkzeigt uns, was auch aus Bonifatius Briefsammlung hervorgeht, wiesehr lebhaft dort auch die Nonnen an den gelehrten Studien Antheilnahmen. Freilich wurde auch sie, wie es leider so häufig vorkam,durch ihre Gelehrsamkeit zu einer sehr gezierten und schwülstigenSchreibart verleitet und vor fehlerhaftem Ausdruck nicht bewahrt;ja der Ausdruck ist, wie er in der neuen Ausgabe nach der äl-testen Handschrift hergestellt ist, sogar in unglaublichem Maafse bar-barisch, aber gelehrt barbarisch, d. h. mit griechischen und anderenseltsamen Worten beladen. Den Hauptinhalt und den werthvollstenTheil bildet in dem Leben Willibalds der Bericht über seine Pilger-fahrt nach dem gelobten Lande, welcher darin besonders hervortrittund den gröfsten Raum einnimmt. Er ist offenbar nach den Mit-theilungen Willibalds am 23. Juni 778 über seine Pilgerfahrten unddie daran sich schliefsenden Umstände aufgezeichnet.

Nach Wynnebalds Tod übernahm seine Schwester Waldburgadie Leitung des Klosters zu Heidenheim, von welcher nur im neuntenJahrhundert Wolfhard von Herrieden in dem Werk über ihreWunder etwas berichtet 3 ).

Zu diesem Kreise gehören ferner noch Wigbert, den Bonifazin Fritzlar als Abt einsetzte, Sualo oder Solus, und Leobgyth oderLioba, die Aebtissin von Bischofsheim 4 ), deren Biographen Lupusvon Ferneres und Rudolf von Fulda später zu erwähnen sein werden

') S. über ihn vorzüglich das oben angeführte Werk von Hahn, Bonif.u. Lull, 1883. Ueber ein violleicht von ihm selbst verfafstes EpitaphiuniForsch. XXII, 423; NA. VIII, 225. Ein nach der in Marburg wiederge-fundenen Hs. wesentlich verbesserter Text Forsch. XXV, 177.

2 ) So die authentische Form. Die älteren Ausgaben sind unbrauchbarneben der neuen von Holder-Egger, SS. XV, 80117.

3 ) Excerpta ed. Holder-Egger, SS. XV, 535555.

4 ) Nach Link im Klosterbuch der Diöcese Würzburg (1876) II, 538bis"545 unzweifelhaft Tauberbischofsheim.