Bonifatius. 135
Bildung, und wir besitzen noch von ihm eine Grammatik und Metrik 1 ),und nicht ohne Geschick und Gewandtheit verfafste Gedichte mitder Vorliebe für Akrostichen und andere Spielereien, welche der Zeitund besonders seinen Landsleuten eigen ist 2 ).
Von weit gröfserem Werthe für uns ist die Sammlung vonBonifazens eigenen Briefen und den päbstlichen Schreiben an ihn 3 );aber auch die bald nach seinem Tode, vielleicht noch zu PippinsLebzeiten 4 ), sicher vor 786 verfafste Biographie enthält schätzbareNachrichten, und erhebt sich weit über die früheren Leistungen derArt. Der Verfasser war ein Priester Namens Willibald, wohl einLandsmann, der bei der Kirche St. Victor bei Mainz lebte, und aufVeranlassung der Bischöfe Lullus von Mainz und Megingoz von"Würzburg seine Arbeit unternahm. Lullus besonders versah ihn mitNachrichten, so wie auch andere Schüler Winfrids, den Willibaldselbst nicht gekannt hatte. Dieser ist freilich hinter einer genügendenBehandlung seiner grofsen Aufgabe zurückgeblieben; anfangs sorg-fältig und genau, scheint er bei der grofsartigen Entfaltung derWirksamkeit seines Helden, bei den verwickeiteren politischen Ver-hältnissen unter Pippins Regierung zu ermatten, er wird verwirrtund ungenau, übergeht gänzlich die wichtigsten Vorfälle und eiltweiter zu dem Märtyrertode des Bonifaz 5 ), bei welchem er in
Beitr. z. Lat. Sprach- u. Litt.-Kunde (1877) S. 141. Loofs, Zeitschr. f.Kirchengesch. V, Heft 4.
1 ) Ars gramm. bei A. Mai, Auctt. class. "VII, 475—548; vgl. Bursianin d. Münch. SB. 1873 S. 457-460.
2 ) Hierüber s. Dümmler, NA. IV, 98—101, und die Ausg. Poet. Carol.I, 1—19, vgl. II, 687.
3 ) Diese überaus wichtige, auch über B.'s Zeit hinausreichende Samm-lung liegt jetzt in der ersten kritischen Ausgabe von Jaffe vor, Bibl. III,8—315; eine neue von Dümmler ist bald zu erwarten. Vgl. Forsch. X,397—426 gegen die chronolog. Behauptungen Dünzelmanns in seiner Gott.Diss. von 1869. Dieser hält jedoch einen Theil derselben, und vorzüglichdie grundsätzliche Annahme willkürlicher Zufügung der Daten, aufrecht,und erklärt einige der Briefe für Stilübungen, Forsch. XHI, 1—32. H. Hahn,Noch einmal die Briefe und Synoden des Bonifaz, Forsch. XV, 43—124.Ein übersehener Brief des P. Zacharias, NA. I, 580—583, berichtigt vonLoewenfeld, ib. IV, 173—175. Hahn, Ueber einige Briefe d. Bonif. Samm-lung mit unbest. Adr. Forsch. XXI, 383—400. Hahn, Bonifaz u. Lul.Ihre angels. Correspondenten, 1883. Loofs, Zur Chronol. der auf d. fränk.Synoden bezügl. Briefe, Leipz. Diss. 1881, vgl. NA. VII, 418. P.Ewaldüb. die Fragmente in d. Brit. u. a. Canonensammlungen, NA. V, 284—295.Nürnberger, Verlorene Hss. der Briefe, NA. "VII, 353—381. Die Bonif.Litt, der Magdeb. Centuriatoren ib. XI, 9—41. P. Ewald, Susanna u. Brann-linde, Deutung der chiffrirten Namen, NA. VII, 196—198. Dagegen Die-kamp in d. Beschr. d. Wiener Hs. ib. IX, 9—28. Hahn, Die Namen derBriefe im Liber eccl. Dunelm. NA. XII, 109—127.
4 ) Dagegen L. Oelsner, Jahrb. S. 490.
5 ) Nach der seit Rettberg herkömmlichen Annahme am 5. Juni 755.