134 !!• Karolinger. § 2. Angelsachsen.
Liafwins, von Hucbald von St. Amand, ist nicht ohne Werth, aberdoch erst in viel späterer Zeit, im zehnten Jahrhundert verfafst 1 ).
In Franken finden wir Burchard, den Bonifaz zum erstenBischof von Würzburg weihte, wo S. Kilian mit seinen Genossenden Boden bereitet hatte. Auch seine Lebensbeschreibung aber isterst im 9. Jahrh. von einem Würzburger Cleriker verfafst und völligwerthlos; die wenigen Thatsachen, welche darin berichtet werden,sind theis entstellt, theils mit oder ohne Absicht erfunden 2 ).
Die erste wirklich gleichzeitige Lebensbeschreibung besitzen wirvon Winfrid, dem Stifter der neuen fränkischen Kirche, der alledie einzelnen Pflanzungen seiner Vorgänger zusammenfafste in einemächtige Organisation, und ihnen dadurch die Kraft zum dauerndenBestehen gab, der zugleich die alte verfallene fränkische Landeskircheemporrichtete, und so im Verein mit den karolingischen Herrscherndas gewaltige Gebäude aufführte, in dem die neu hervorspriefsendegeistige Bildung für viele Jahrhunderte eine gesicherte Stätte findensollte, mitten unter allen Stürmen und Drangsalen der kampferfülltenZeiten. Allein die Schilderung seines Lebens und seiner Wirksam-keit liegt unserer Aufgabe fern; wir müssen uns hier begnügen,auf die ausführliche Darstellung Rettbergs I, 331 ff. zu verweisen,wo auch genauere Nachweisungen über seine Biographen zu findensind 3 ).
Sein kirchlicher Name war Bonifatius, ohne Zweifel von bo-num falum abzuleiten, aber nach einer richtigen Bemerkung vonLoofs scheinen die Zeitgenossen den Namen vielmehr von bonumfarihergeleitet zu haben*). Er besafs eine für jene Zeit hervorragende
J ) Rettberg II, 405; vgl. unten § 15. III, § 10.
s ) Rettberg II, 314. Ausg. Mab. III, 1, 700. Acta SS. Oct. VI, 573.MG. SS. XV, 43—50 mit Auszügen aus der jüngeren Vita, von Holder-Egger.
3 ) Dazu kommen nun u. a. die Jahrbücher des fränk. Reichs unterPippin v. Hahn u. Oelsner. Vgl. C. Will, Regesten d. Mainzer Erzbb. I.Ebert S. 650—659. Hauck I, 410—546. Die schöne Charakteristik bei Moll I,141 berührt wohlthuend, gegenüber den zur Mode gewordenen unwürdigenund unhistorischen Angriffen auf ihn. — Opera ed. Giles, Lond. 1844, 2 Bde.Külb, Sämmtl. Schriften übers, u. erl. 1859. 2 Bde. Nürnberger, Zur handschr.Ueberlieferung d. Werke, NA. VIII, 299—325. Aus der litt. Hinterlassen-schaft des h. Bon. u. des h. Burchard. 24. Bericht d. Philomathie inNeisse, 1888. Beitr. zu d. Schriften des h. Bon. Rom. Quartalschrift V,28 ff. Vielleicht von Bonif. Hand sind die Glossen zur Ep. Jacobi im Cod.Fuld. ed. E. Ranke 1868, cf. dess. Specimen Cod. Fuld. zum Berl. Jubil.1860. (Facs. der Glossen). Gegen die Echtheit der Sermones Scherer, Denk-mäler (1864) S. 144. H. Hahn, Forsch. XXIV, 583-625; für dieselbe Nürn-berger, NA. XIV, 109—134. Steinmeyer, 3. Ausg. n, 328, f. d. Uneehtheit.
4 ) C. Will, Hist. pol. Bl. LXXVIII, Heft 4. Regesten S. V. W. Schmitz,