Angelsächsische Mission. 133
gewiss wesentlich folgte, von einem Schottenmönch rusiico stilo ver-fafst, wie die älteste Vita des h. Gallus, ist leider, wie diese ver-loren, aber sie wurde noch benutzt von Thiofrid, Abt von Echter-nach (1083—1110), dessen Werk deshalb nicht ohne Werth ist 1 ).
Gleichzeitig mit ihm predigte auch Suitbert, der Stifter vonKaiserswerth, von dem jedoch nur wenig bekannt ist. Als das merk-würdigste Andenken, welches er uns hinterlassen hat, sehr bezeichnendfür die höhere und feinere Bildung, welche diese Angelsachsen in derHeimath pflegten und von da ins Frankenreich verpflanzten, galtbisher die schöne Handschrift des Livius, welche er mitgebrachthaben sollte, und die jetzt zu den kostbarsten Schätzen der WienerHofbibliothek gehört. Doch wird die Inschrift jetzt richtiger andersgelesen, die Bedeutung der Handschrift aber ist nicht geringer, wennsie aus der Utrechter Schule stammt 3 ). Suitberts Biographie dagegen,angeblich von Liudgers Genossen Marchelm oder Marcellinus verfafst,ist ein grober Betrug späterer Zeit 3 ).
Unter den Sachsen predigten der weifse und der schwarzeEwald, deren Lebensbeschreibung aus Beda entnommen, aber völligsagenhaft ist 4 ). Später folgte ihnen Liafwin, jedoch erst um 770,nachdem vielleicht schon mancher Glaubensbote vergeblich, undohne das Andenken seines Namens zu hinterlassen, versucht hatte, dasstarre Heidenthum der alten Sachsen zu überwinden. Das Leben
tyrol. Acta SS. Apr. II, Propyl. Tab. II. Auch das Evangeliar Suppl.lat. 693 soll von ihm mitgebracht sein, Waagen, Kunstwerke in Paris S. 241,Facs. Hist. de l'lmprimerie (Livre d'or des metiers) p. 12. AlberdingkThijm, H. Willibrordus, Apostel der Nederlanden, Amsterd. und Brüssel1861 (Deutsch mit Zusätzen von Dr. Trofs in Hamm, Münster 1863) suchteinen Gegensatz zwischen Willibrord als Vorkämpfer der auf Errichtungeiner unabhängigen deutschen Kirche gerichteten Politik der Päbste, undden egoistischen fränkischen Missionsbestrebungen nachzuweisen im An-schlufs an Gfrörer, wofür ich in den Quellen keine Begründung findenkann. Vgl. Moll I, 95—118. Hauck I, 396-409.
1 ) MG. SS. XXIII, 30—38, Auszüge aus dem prächtigen, dem Erzb.Bruno von Trier (1102—1124) gewidmeten Codex, jetzt in Gotha (dieseStelle S. 11). Die metr. Bearbeitung ist von R. Decker im Progr. d. k.Gymn. zu Trier 1880/1, und mit Benutzung d. Goth. Hs. von K. Rofsberg,L. 83 herausgegeben.
2 ) Mommsen et Studemund, Analecta Liviana (1873) p. 7 et tab. IV.Gitlbauer de cod. Liv. Vindobonensi, Vind. 1876.
3 ) S. Rettberg II, 396. Bouterwek, Swidbert der Apostel des Bergi-schen Landes, Elberf. 1859.
*) Rettberg II, 397. Ueber den Ort des Todes Dr. Trofs bei Alber-dingk Thijm, S. 217—223. Lohoff, Krit. Untersuchungen der Geschichteder beiden Ewalde unter bes. Berücksichtigung der Aplenbecker Tradition(Beiträge z. Gesch. Dortmunds, I, 1875).