Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
123
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Emmeram und Corbinian. Rupert. 123

Die Legenden von Emmeram 1 ) und Corbinian 2 ) sind zuerst vomBischof Aribo von Freising 3 ) (764783), letztere auf Ansuchendes Bischofs Virgil von Salzburg, nach der mündlichen Ueberlieferungverfafst und von sehr geringem Werthe. Ein anstöfsiger Umstanddarin ist die Reise der beiden Missionare nach Rom; denn erst dieAngelsachsen hielten es für nothwendig, sich von dort die Vollmachtzur Missionsthätigkeit zu holen, während vorher den Franken wieden Iren ein solcher Gedanke ganz fern lag, ja selbst Bonifaz nochzu seiner ersten Mission unter den Friesen eine solche Vollmachtnicht eingeholt hat. Später aber galt diese Erlaubnifs für so un-erläfslich, dafs die Legendenschreiber sie auch für die ältere Zeitganz unbedenklich als selbstverständlich annahmen. Sie erzählendaher eine solche Reise als Thatsache, und nennen den Pabst, dernach ihrer Berechnung der Zeitverhältnisse damals regiert hatte.Die neueren Gelehrten haben dann wieder umgekehrt nach demNamen des Pabstes die Zeit des Heiligen bestimmt und dadurchdie Verwirrung vollständig gemacht; ein Fehler, von dem auchRettberg nicht frei ist. Dafs die Sache sich aber wirklich so ver-hielt, zeigt sich deutlich an den Legenden, die in ihrer älteren nocherhaltenen Form nichts von einer solchen Reise nach Rom wissen,während sie in den späteren Bearbeitungen eingeschoben ist. Dasist der Fall bei dem heiligen Patricius, bei S. Rupert; auch Gregorvon Tours läfst sein späterer Biograph nach Rom reisen.

Denselben Umstand finden wir auch im Leben des heiligen

J ) Acta SS. Sept. VI, 474. Vgl. Rettberg II, 189. Hauck I, 342. NachHugo Graf Walderdorff, Regensburg (3. Aufl.) S. 137, ist die ursprünglicheForm Heimraban, in einem Kalend. saec. VIII. Emhram. Vgl. Riezler, Forsch.XVIII, 528, über den Ort seines Todes. Neue Ausg. v. B. Sepp, Anal.Bolland. VIII, 211240 u. Sep. Ausg. 1890. Nach Riezler muss es eineTJeberarbeitung sein.

a ) Meichelbeck Bist. Fris. I, 2 p. 3. Acta SS. Sept. III, 281. Vgl. RettbergII, 213, Hauck I, 345, und über beide M. Büdinger, Zur Kritik altbaier.Geschichte, Wiener SB. XXIII. Darin wird auch die früher herrschendeAnsicht von der Anwesenheit des Eustasius und Agilus in Baiern bekämpft,welche jetzt G. Waitz, Gott. Nachr. 1869 S. 136, Friedrich, Münch. SB. 1874,I, 358, Riezler, Forsch. XVI, 417, wieder in Schutz nehmen. Büd. Oest.Gesch. I, 85, 94, und über Aribo S. 141. Aelteste Form der V. Corbinianiim Cod. Mus. Brit. 11880, her. von Riezler, Abh. d. Münch. Akad. III. Cl.XVIII, 1 (1888). Die Bearbeitung ist nach ihm wahrscheinlich von Hrotrohc,einem Mönch von Tegernsee, dem eine V. Corb. zugeschrieben wird, saec.IX. X. Vgl. auch Dr. David Schönherr: Ueber die Lage der angeblichverschütteten Römerstadt Maja, Innsbr. 1873. Corpus Inscr. Lat. III, 707.V, 543.

3 ) Er nennt sich auch Cyrinus nach der Deutung des Namen Cyrusals haeres bei Hieronymus de nominibus Hebraeorum.