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1 (1893)
Entstehung
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124
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124 ! Vorzeit. § 11. Fränkische Heiligenleben.

Kilian 1 ), des ersten bekannten Missionars unter den Ostfranken.Auch, er war gegen das Ende des siebenten Jahrhunderts mit mehrerenBegleitern aus Irland gekommen, und seine Wirksamkeit ist bezeugtdurch die hohe Verehrung seines Namens; wie an S. Gallus Grabe,so scheinen sich auch in Würzburg seine Landsleute zahlreich ein-gefunden zu haben, und noch jetzt finden wir ihre Spuren in denirischen Schriftzügen der dortigen Handschriften. Die Lebensbeschrei-bung aber ist erst im zehnten Jahrhundert verfafst und fast ganzwerthlos.

Diese irischen und fränkischen Missionare bereiteten den Bodenvor für die Angelsachsen, mit deren Auftreten ihr Stern erlischt.Ihre Pflanzungen waren zu vereinzelt, um sich erhalten zu können,es fehlte ihnen die feste Organisation, durch welche jene so starkwaren, und die vereinzelten Mönche konnten sich von Entartungund Verwilderung nicht freihalten. Ihre Eigenthümlichkeiten in Lehreund Gebräuchen brachten sie bald in Streit mit den Angelsachsen,und es ist ferner nicht mehr die Rede von ihnen. Nur als Pilgererscheinen sie noch, geschätzt wegen ihrer strengen Entsagung,wegen ihrer Fertigkeit im Schreiben, und häufig auch noch wegenihrer Gelehrsamkeit; aber als Missionare finden wir sie nur zur Zeitder Merowinger genannt.

Geschichtliche Nachrichten aus dieser Zeit haben sie selbst unsdurchaus nicht überliefert; man sollte meinen, dafs ihnen der Sinnfür historische Aufzeichnung der Begebenheiten gänzlich fehlte. Inder Heimath aber verfafsten sie doch Jahrbücher, deren Anfänge sehralten Zeiten zugeschrieben werden, und sie mögen wohl nicht ganzohne Einfiuss auf die Entstehung der jetzt im Frankenreiche auf-kommenden Klosterannalen gewesen sein, da wir an der Spitze der-selben hin und wieder irische Namen finden, doch ist eine irgenderhebliche Betheiligung von Schottenmönchen an den weiteren Auf-zeichnungen nicht nachweisbar. Andere Annalen gehen auf Lindis-farne zurück, eine britische Stiftung in England; aber diese sind nichtunmittelbar, sondern über Canterbury ins Frankenreich gekommen,

») Canis m, 1, 180. Mab. II, 991. Acta SS. Jul. II, 612. Vgl. StalinI, 167. Rettberg II, 303. Das älteste Zeugnifs für Kilians Martyrium istim Necrolog. Wirzib. s. IX. bei Eckhardt, Comm. de or. Francia I, 831.Dümmler, Forsch. VI, 116. 118. Piper, Karls d. Gr. Kalend. S. 26. Ueberdie in Kilians Grab gefundene Bibel in Uncialschrift Eckhardt Franc.Or. I, 451, Schepss, Die ältesten Evangelienhss. der Univ.-Bibl. (1887) S. 6.Facsim. bei Zangemeister u. Wattenbach, Exempla tab. LVIII. IrischeHandschriften in Würzburg: Archiv VII, 106; Catalogue of Manuscriptsin the British Museum, New Series I. 1843 fol. Tab. 1, 3; Zeufs, Gram-matica Celtica, p. XX.