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1 (1893)
Entstehung
Seite
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Boethius. Ablavius. 6 7

vorliegen 1 ). Das Christenthurn war nun freilich, bereits zum unbe-strittenen Siege durchgedrungen, dennoch aber stehen diese Männernoch ganz auf dem Boden der alten heidnischen Bildung. AuchCassiodor gehört dazu; erst in seinem Alter gab er sich immermehr einer kirchlich frommen Richtung hin.

Dieselbe Mischung römischer und deutscher, heidnischer undchristlicher Elemente, wie an Theoderichs Hofe, finden wir nunauch in der geschichtlichen Litteratur, die uns leider nur theil-weise erhalten ist. Was es für eine Bewandtnifs mit den gothi-schen Philosophen habe, mit Athanarit, Hildebald und Markomir,auf die sich der Ravennatische Geograph beruft, ob sie existirthaben oder nicht, ist bis jetzt noch dunkel 2 ). Auch der vonJordanis 3 ) benutzte und gelobte Ablavius, der „treffliche Ge-schichtschreiber des gothischen Volks", bleibt in zweifelhaftemDunkel; Mommsen vermuthet, dafs er an Theoderichs Hofe nichtlange vor Cassiodor geschrieben und, der gothischen Sprache kundig,ihre Ueberlieferungen und Lieder mit den Nachrichten des Priscus u. a.verbunden habe. Er ist geneigt, einen sehr wesentlichen Theil desCassiodorischen Werkes ihm zuzuschreiben, aber Schirren hat sichmit guten Gründen von neuem sehr nachdrücklich dagegen erklärt.Der Name ist in jener Zeit häufig und lautet correct Ablabius,doch folge ich lieber der damals üblichen, durch Jordanis bezeugtenAussprache.

Der rechte Repräsentant dieses Uebergangsreiches ist MagnusAurelius Cassiodorius 4 ) Senator, ein vornehmer Römer von an-

! ) 0. Jahn: Ueber die Subscriptionen in den Handschriften römischerClassiker. Berichte über die Verhandlungen der königl. Sachs. Ges. derW. Phil. hist. Classe, III, 327. 1851.

2 ) Th. Mommsen, Ueber die Ravennatische Kosmographie, SB. der k.Sachs. Ges. der W. Phil. hist. Classe, HI, 80-117, 1851. Bock, Lettre äMr. Bethmann, Annuaire de la Bibl. Royale de Belgique, Vol. XII. 1851.Rec. von Waitz, GGA. 1851, N. 121. Ravennatis Anonymi Cosmographiaet Guidonis Geographia. Ex libris manuscriptis edd. M. Pinder et G. Par-they, Berol. 1860. — Guido Pisanus excerpirte das ältere Werk dessiebenten Jahrhunderts um 1119. Während Mommsen und de Rossi (Gior-nale Arcadico CXXIV p. 259—281, 1851) sammt vielen anderen seinerAutoritäten auch die gothischen Philosophen für erfunden halten, sehenBock und Pallmann I, 9—12. H, 139, in ihnen Zeitgenossen Theoderichs.

3 ) De orig. Gett. c. 4. 14. 23. Vgl. Sybel, De fontibus Jord. p. 34—37.Sehirren S. 36—44. Koepke S. 80. Gutschmid S. 129. 130. Sybel, König-thum, S. 193. Mommsen, Praef. Jord. p. XXXVII. — Dafs um 1200 je-mand Blavius de gestis Oothorum aus der Bibliothek des Klosters Tegernseeverlangte (Pez, Thes. VI, 2, 53), erklärt sich wohl einfach aus der Leetüredes Jordanis. Die Meinung von P. Buchholz, dafs Flavius Blondus denA. gekannt habe, widerlegt Mommsen.

4 ) Diese Form wird man nach dem Veroneser Cod. saec. VII. der

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