ß4 I. Vorzeit. § 4. Anfänge und Gattungen.
schliefsend, aber weit weniger reichhaltig, aus Prüm, von 1039bis 1104'), aus St. Blasien von vor 1036 bis 1474 2 ).
Verschieden davon sind die Verbrüderungsbücher, in welcheLebende eingetragen wurden; bei weitem das wichtigste darunterist das von Karajan, jetzt aber mit wesentlichen Verbesserungen vonHerzberg-Fränkel herausgegebene von Sanct Peter in Salzburg 3 );von einer systematischen Bearbeitung sind die von Sanct Gallen,Reichenau und Pfävers erschienen 4 ). Sie geben über die Ver-bindungen der Klöster untereinander Nachricht und sind durch dieFülle alter Eigennamen für die Sprachforschung von Bedeutung.Auch von den Rot ein späterer Zeit, durch welche man von denTodesfällen verbundenen Klöstern Nachricht gab, und welche theilsnur mit Empfangsbescheinigung, theils sogar mit längeren Gedichtenversehen wurden, hat sich namentlich in Frankreich eine grofse An-zahl, wenn auch meistens nur fragmentarisch, erhalten, welche vonL. Delisle gesammelt und herausgegeben ist 5 ).
Eine besondere Erwähnung verdienen endlich noch die altenDiptycha, in welche Namen ohne Daten eingetragen wurden, umsie der Fürbitte theilhaftig werden zu lassen, wobei auf die Ordnungnichts ankam; aus Fulda, Trier, Novara haben sich dergleichen er-halten. In Ermangelung anderer Denkmäler hat man daraus Bischofs-listen entnommen, deren Lückenhaftigkeit und Umstellungen sichaus solchem Ursprung erklären. Ein Liber vitae ecclesiae Dunel-mensis (jetzt Cott. Domit. A. VII) aus der Mitte des neunten Jahr-hunderts und bis in späte Zeit fortgeführt, lag im Prachtband aufdem Altar 6 ), herausgegeben von Stevenson 1841.
Eine besondere Art von Namensverzeichnissen entstand durchdie Sitte, in Evangelienbücher Namen einzutragen, wovon man
x ) Ann. necrol. Prüm. ib. p. 219—223.
2 ) Necrol. I, 329-333. Die Weltenburger 1045—1109 (MB. XIII,473—493) werden auch wohl bei den Necrol. gedruckt.
3 ) Necrol. II, 3—60; vgl. NA. XII, 53-107.
4 ) MG. Libri Confraternitatum S. Galli, Augiensis, Fabariensis, ed.P. Piper 1884. Das Verbrüderungsbuch von St. Gallen ist, nebst demBuch der Gelübde, auch von E. Arbenz herausgegeben und erläutert, Mitth.z. vaterl. Gesch. XIX, St. Gallen 1884. Vgl. auch C. Will, Monum. Bli-denstatensia, p. XX — XXII. A. Ebner, Die klösterlichen Gebetsverbrüde-rungen. Regensb. 1890.
5 ) Des monuments paleographiques concernant l'usage de prier pourles morts, Bibl. de l'ecole des chartes, II, S, 361—411, und die Ausgabe:Rouleaux des morts du IX. au XV. siecle, 1866. Vgl. Wattenbach, Schrift-wesen (2. Ausg.) S. 137.
6 ) Genaue Beschreibung der Hs. von Thompson im Catalogue of ancientLatin Mss. p. 81—84.