Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
63
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Legenden. Necrologien. 63

welche den Martyrologien sehr nahe steht und häufig damit ver-bunden ist, die Necrologien nämlich, in welchen die Todestagealler derjenigen verzeichnet wurden, deren Gedächtnifs in der Kircheoder dem Kloster, dem diese Aufzeichnungen angehörten, gefeiertwerden sollte. Da jeder angesehene Mann sich um seiner Seligkeitwillen eine solche Gedächtnifsfeier zu sichern pflegte, erfahren wirhierdurch ihre Todestage, deren Kenntnifs für manche Fragen wichtigwerden kann; auch für die verwandtschaftlichen Verhältnisse istmanches daraus zu entnehmen, und zuweilen sind auch einzelne ge-schichtliche Begebenheiten anderer Art darin verzeichnet. Zur ge-schichtlichen Litteratur kann man diese Namensverzeichnisse nichtrechnen, und ich beschränke mich daher auf diese Erwähnung undauf ein Verzeichnifs der mir bekannt gewordenen, gedruckten Ne-crologien, welches im Anhange zu finden ist.

Eine Zeitbestimmung ist nicht hinzugefügt, weil auch in jüngereNecrologien einzelne ältere Angaben herübergenommen sind, undältere durch die fortgesetzten Eintragungen werthvoller zu werdenpflegen. Doch ist es nicht unwichtig, die Zeit der ersten Anlagezu erkennen; bei dem lobenswerthen Versuche, dahin zu gelangen,begegnet aber stets wiederholt ein Fehler, vor dem ich deshalb aus-drücklich warnen möchte. Die Herausgeber glauben nämlich, zudieser Bestimmung die Ansetzung des Osterfestes benutzen zu kön-nen und lassen sich dabei auch durch den auffallenden Umstandnicht stören, dafs dieser überall derselbe ist, nämlich der 27. März;auch nicht dadurch, dafs es ja gar keinen Sinn haben würde, daszufällige Datum eines einzelnen Jahres einzutragen. Es ist aberdieser 27. März ein festes Datum, welches man für dasjenige derwirklichen Auferstehung hielt.

Den vollen Nutzen für geschichtliche Forschung werden dieseNecrologien erst gewähren, wenn sie systematisch gesammelt, durch-gearbeitet und zusammengestellt sind. Das ist jetzt geleistet vonBaumann für die Sprengel von Augsburg, Constanz und Chur 1 ),von Herzberg-Fränkel für Salzburg 2 ).

Geschichtlich noch wichtiger sind die Todten-Annalen, in wel-chen Jahr für Jahr die Todesfälle eingetragen sind. Solche sindaus Fulda von 779 bis 1065 erhalten 3 ), und an diese sich an-

') MG. Necrologia Germaniae I. 1888; vgl. NA. VII, 19—41. VIII,425—447. XIII, 409-429.

2 ) Vol. II, 1. 1890; vgl. NA. XIII, 269—304.

3 ) Erste vollständige Ausgabe aus den verschiedenen Hss. von G. Waitz:Annales necrologici Fuldenses, MG. SS. XIII, 161—215.