Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
55
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Römischer Staatskalender. 55

die ganze Einrichtung des Werkes zur Eintragung geschichtlicherEreignisse eine sehr passende Gelegenheit darbot, so ist seine Formnicht ohne Einflufs auf die Gestaltung der verschiedenen Gattungengeschichtlicher Aufzeichnungen geblieben. Sein Inhalt bestand näm-lich aus folgenden Stücken, "welche die noch erhaltene Abschrift einesExemplars vom Jahre 354 uns kennen lehrt:

1. Der eigentliche Kalender mit Bildern, die noch völlig in heid-nisch-antiker Weise gezeichnet sind. Der Kalender selbstist nicht mehr heidnisch, aber doch auch noch nicht christlich.Die öffentlichen Spiele, die Senatstage u. a. sind darin ver-zeichnet und die Geburtstage der Cäsaren auch noch abgeson-dert auf einem verzierten Blatt vorangestellt 1 ).

2. Consularfasten bis zum Jahre 354.

3. Ostertafeln auf 100 Jahre von 312 an.

4. Ein Yerzeichnifs der Stadtpräfecten von 258 bis 354.

5. Die Todestage (Depositiones) der römischen Bischöfeund der Märtyrer 2 ).

6. Ein Pabstkatalog bis auf Liberius.

7. Die oben erwähnte Weltchronik bis 334, verbunden miteiner Stadtchronik von Rom und der Regionenbe-schreibung 3 ).

In diesen Stücken läfst sich mehr als ein Keim erkennen, derspäter zu weiterer Entwickelung gelangt ist. Während aus demletzten Theile jene so zahlreichen, immer neu aufgelegten Beschrei-bungen von Rom entstanden, hauptsächlich zum Wegweiser für diePilger bestimmt, forderten die Consularfasten, sowie die Oster-tafeln von selbst dazu auf, bedeutende Begebenheiten bei den be-treffenden Namen und Zahlen einzutragen, wie es z. B. Cassiodorgethan hat, und in vollständigerer Weise Prosper. Ein solchesWerk ist auch den späteren Exemplaren jenes Kalenders eingefügt;Fasten, die anfangs nur sehr vereinzelte Bemerkungen enthalten,für das fünfte Jahrhundert aber reichhaltiger, und wegen der genauenchronologischen Bezeichnung wichtig werden, ohne Zweifel, abge-sehen von dem früheren Theil, in Ravenna geschrieben 4 ). Und

!) Ausg. v. Mommsen, CIL. I, 332360.

2 ) Nach De Rossi, La Roma sotterranea I, 116 eigentlich ein Fest-kalender, feriale, und deshalb nicht vollständig.

3 ) S. darüber und über die im 12, Jahrh. daraus erwachsenen Mira-bilia Romae, H. Jordan, Topographie der Stadt Rom im Alterthum II, 1871.Dess. Forma urbis Romae regionum XIII. 1875.

4 ) Früher als Anonymus oder Clironicon Cuspiniani bekannt, zuletztgedr. bei Mommsen a. a. 0. S. 656668, Auctt. antt. IX, 263 ff. als Fasti

Vindobonenses, mit d. Anon. Vales. u. a. herausgegeben als Consularia Italica.