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1 (1893)
Entstehung
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54
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54 I- Vorzeit. § 3. Anfänge und Gattungen.

erscheinen im Westreich je im praktischen Gebrauch, und JustiniansSiege stellten noch einmal die Fortdauer aller der neu entstandenenReiche in Frage. Mochte aber auch das abendländische Römerreichin Trümmer fallen, das morgenländische keinen Schatten von Machtüber den "Westen besitzen, für die Chronisten ist und bleibt es dasWeltreich, der Faden, der sie leitet. Die in das Reich eindringen-den deutschen Stämme sind und bleiben Barbaren, wenn auch derSchreibende, welcher jedoch immer der Kirche angehört, selber ihrLandsmann ist. Diese Auffassung beschränkt sich nicht auf dieseZeit, sie bleibt herrschend durch das ganze Mittelalter, denn sie warbedingt durch die seit Hieronymus allgemein angenommene Erklä-rung von dem Traume des Nebukadnezar, bei dem Propheten Daniel,nach welchem das römische Reich, das eiserne, welches die früherenzermalmt, bleiben soll bis zum Eintritt des himmlischen Reiches 1 ).Die Fortdauer desselben war daher aufser aller Frage. Demgemäfsbehandeln auch die späteren Weltchroniken die deutsche Geschichteniemals als etwas neues, selbständiges, sondern nur als eine Fort-führung des römischen Reiches: sie führen nach dem Untergangedes westlichen Reiches die byzantinischen Kaiser fort bis auf Karlden Grofsen und bewahren so seine scheinbare Continuität, wenn sieauch dazwischen die Volksgeschichten episodisch in ihr grofses Fach-werk einschalten, wie Ekkehard.

Neben der grofsen Chronik des Hieronymus gab es nun aberauch noch eine andere, sehr dürftige und compendiarische, welchenur einige Anhaltpunkte zur chronologischen Orientirung gewährte.Sie läfst sich zurückführen auf ein älteres griechisches Werk desHippolyt von Porto, das bis 235 reichte, ein Werk, welches auchdem Liber Generationis des sogenannten Fredegar zu Grunde liegt.Ueberarbeitet und bis 334 fortgesetzt, bildet es einen Theil jenesmerkwürdigen römischen Staatskalenders, den Th. Mommsenin seiner Abhandlung über den Chronographus von 354 ausführlichbehandelt hat 2 ). Er hat nachgewiesen, dafs dieser Kalender mitden nöthigen Veränderungen von Zeit zu Zeit neu herausgegebenwurde; doch war er viel zu kostbar, als dafs sich, wer ihn einmalbesafs, immer ein neues Exemplar davon angeschafft hätte, und da

') Dan. c. 2. Vgl. Otto Fris. II, 13. Büdinger in der Hist. ZeitschriftVII, 113.

2 ) Abhandlungen der Kgl. Sachs. Ges. der Wissenschaften in Leipzig. I.1850. S. 547668. Neue Ausg. des Textes Auctt. antt. IX, 13196. Einmit jener Arbeit verwandter, von Pallmann zuerst herausgegebener, ganzkurzer Abrifs der Weltgeschichte bis 452 Auctt. antt. IX, 149153. Vgl.auch C. Frick im Rh. Mus. f. Philol. XLVI, 106 ff.