Leben des h. Severin. 45
verlässig; Rec. von Sauppe, Gott. Gel. Anz. 1862 S. 1544—1552. Nach MünchenerHandschriften bei Friedrich, I, 431—489. Ausg. von Sauppe, MG. Anett. antt. I, 2.1877; vgl. NA. IV, 407, Waitz, GGA. 1879, S. 581. Gegen Sauppe's krit. Grundlagen. für d. Cod. Taurin. P. Knüll, Wiener SB. XCV, 445-498. Ausg. von Knöll imWiener Corpus SS. eccl. VIII, 2. Uebers. v. 0. Ritter, Linz 1853, v. K. Rodenberg,Berlin 1878 (Urzeit Bd. 4), v. S. Brunner, Wien 1879. — Eugippii opera,Migne 62. — Rinaudo p. 14 — 19. Vgl. Rettberg 1, 226. Büdinger, Oesterr. Gesch.I, 47 ff. Pallmann II, 393—401. J. Jung, Römer und Romanen S. 132 und anvielen Orten. Hauck I, 328-332.
Die Lebensbeschreibung des heiligen Severin, von seinem SchülerEugippius verfafst, ist für uns von ganz unschätzbarem "Werthe, in-dem sie einen hellen Lichtstrahl wirft in Zeiten und Zustände, vondenen 'wir sonst gar nichts wissen würden, wie denn auch vorherund nachher tiefe Finsternifs diese Donauländer bedeckt. Keineandere Quelle giebt uns in so reichhaltiger Weise ein Bild deschristlich gewordenen und bereits mit vollständiger kirchlicher Ein-richtung versehenen Römerlandes im Süden der Donau; unmittelbarvor der Vernichtung zeigt ein günstiges Geschick uns das Bild dieserGegenden und ihrer Bevölkerung in scharfen und lebensvollen Umrissen.
Attila war gestorben, und die frei gewordenen Yölker wendennun ihre "Waffen gegen einander und gegen die kläglichen Ueber-bleibsel des römischen Reiches. Alamannen und Thüringer hattenden Grenzwall durchbrochen und drangen in Rätien immer weitergegen Süden und Osten vor. In Noricum hielt sich noch dierömische Bevölkerung, aber in welchem Zustand! Von allen Seitenwurde sie schwer bedrängt durch die vorrückenden Barbaren —denn so nannten damals und noch lange nachher nicht nur dieRömer, sondern auch die Deutschen selbst alle Nichtrömer. Jenseitsder Donau schalteten die Rugier, durch häufige Streifzüge das Landbedrängend und bald auch diesseits festen Fufs fassend. Sie sowohlwie die Gothen in Pannonien waren Arianer, den katholischen Ro-manen fast noch verhafster als die Heiden. In Commagena, einerbald darauf völlig verschwundenen Römerstadt unweit Tuln, hattenbereits Barbaren sich festgesetzt; unfähig sie zu vertreiben, schlössendie Römer ein Bündnifs mit ihnen, und die Einwohner lebten nunwie Gefangene in ihrer eigenen Stadt. ' Da tritt plötzlich, unge-hindert durch die Wachen, Severinus unter sie: eben war, wie ervorher verkündigt hatte, die benachbarte Stadt Astura gänzlich zer-stört worden, und gläubig horchte man nun auf seine Worte, da erRettung verhiefs, fastete und betete, bis plötzlich in der Nacht einErdbeben die Barbaren in Schrecken setzt; voll Angst eilen sie ausden Thoren und morden sich gegenseitig in der Finsternifs undVerwirrung. So war die Stadt von ihren Drängern befreit, alleinwas war damit gewonnen!