Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
44
Einzelbild herunterladen
 

44 I- Vorzeit. § 2. S. Severin.

kamen, während die späteren Legenden durchgehende die Gründungder Kirchen durch die Apostel und ihre ersten Schüler behaupten.Die Verbannung gefangener Christen in die Steinbrüche Pannoniens,und wohl auch anderer Lande, wird das ihrige dazu beigetragenhaben. Es erklärt sich aber aus dieser unmerklichen und unschein-baren Verbreituog auch zur Genüge, warum keine Schriftsteller dasAndenken derselben aufbewahrt haben. Jene Arbeiter nun fielendem Neide ihrer Gesellen durch Diocletians Spruch zum Opfer, sogerne dieser auch anfangs seine geschicktesten Arbeiter sich erhaltenwollte (307?). Die Reliquien der fünf Arbeiter finden sich späterzu Rom in der Kirche der heiligen Vier Gekrönten 1 ), mit denensie nur hierdurch in zufällige Verbindung gebracht sind, und dieshat auch eine Verschmelzung ihrer Legenden zur Folge gehabt.Vielleicht erst hierdurch sind auch chronologische Widersprüchehineingekommen, aber alt ist die Legende sicher; sie rnufs geschriebensein, bevor Pannonien -von den Barbaren überschwemmt war, unddas Treiben in den Steinbrüchen ist mit solcher Anschaulichkeituud auch mit so durchgängiger Beibehaltung der technischen Aus-drücke geschildert, dafs der Verfasser selbst noch persönliche Kundedavon gehabt zu haben scheint. Als solchen nennt die alte PariserHandschrift den Schatzungsbeamten Porphyrius, welchen De Rossiauch aus anderen Erwähnungen nachgewiesen hat 2 ). Aber nur dieursprüngliche pannonische Legende können wir ihm zuschreiben.

Während nun also diese Legende noch die ungestörte Römer-herrschaft in diesen Gegenden voraussetzt, führt uns eine andere sorecht mitten hinein in die Stürme der Völkerwanderung, und wirkönnen es uns daher nicht versagen, bei dieser etwas länger zuverweilen.

§ 2. Das Leben des heiligen Severin.

Ausgabe von Welser in Augsburg 1595, 4. (Opera p. 635) aus einer HS. des zehntenJahrb. iu St. Emmeram, der ältesten in Deutschland. Den hier fehlenden Brief Eugippsan Paschasius gab Canisius, Antiquae Lect. VI, 53, I, 411. Danach vollständig inder zweiten Ausgabe des Surius und Acta SS. Jan. I, 484 mit Cornmentar von Bolland.Nach den minder guten, wie es scheint überarbeiteten, östr. Handschriften in H. PezSS. I, 64, und daraus bei Muchar, Das römische Noricum, II, 152239, mit Corn-mentar. Ausgabe von Aut. Kerschbaumer, Scaphus. 1862 nach dem angeblich äl-testen und besten Lateran. Codex, unkritisch und wegen vieler Druckfehler unzu-

: ) 0. Hirschfeld (Archäolog. u. epigr. Mitth. aus Oesterr. IX, 21) er-innert anläfslich einer Inschrift, worin von capitella columnarum die Redeist, welche bei Sirmium für die Thermae Licinianae verfertigt worden, anunsere Passio, u. weist dabei den Gebrauch des Ausdrucks coronati fürhöhere Beamte nächst dem Cornicularius nach.

2 ) Censualis a gleba actuarius nomine Porfyreus lianc gestam scripsit.