Sanct Florian. Die vier Gekrönten. 43
Boden für heilig, -weil hier „der kostbare Märtyrer Sanct Florianus"ruhe, lange bevor die Verfasser der Martyrologien den Ort seinesLeidens kannten. Also selbst im Flachlande, vielleicht in den Restender einst bischöflichen Stadt Lorch, haben Christen durch alle Stürmeder Völkerwanderung das Andenken Sanct Florians bewahrt, undvielleicht die Kunde von seinem Stande und der Zeit seines Todes,während weiter oben im Gebirge von Maximilian nur der Nameund der Ort seines Begräbnisses im Gedächtnifs blieb, Severinaber gänzlich vergessen zu sein scheint, bis aus Italien Handschriftenseiner Lebensbeschreibung nach Deutschland kamen und sein An-denken erneuten. Denn am festesten haftete immer die Erinnerungam Grabe der Heiligen.
Diesem Umstände verdanken wir auch die Erhaltung einer an-deren Legende, der Leidensgeschichte der heiligen VierGekrönten, welche Rettberg unbekannt geblieben ist 1 ). Sie be-richtet uns von vier christlichen Arbeitern in den Steinbrüchen Pan-noniens, welche noch einen ihrer Genossen bekehren; ihn tauft derin Ketten dorthin verbannte Bischof Cyrill von Antiochien. Das istein merkwürdiger Fingerzeig für die Ausbreitung des Christenthums.Rettberg, der nicht nur das spätere Fabelwerk mit schonungsloserKritik zerstört, sondern auch den wirklichen Verlauf der Bekehrungdieser Lande mit gröfster Sorgfalt aus den einzelnen Anhaltpunktennachgewiesen hat, ist zu dem Resultat gekommen, dafs für dieselbenicht sowohl eigentliche Missionare thätig waren, ab vielmehr diechristlichen Soldaten 2 ), Handelsleute und Arbeiter, welche hierher
') Passio Sanctorum Quatuor Coronatorum, herausgegeben von Watten-bach, mit einem Nachwort von Karajan, in den Wiener SB. X, 115—137.Sie findet sich auch schon in dem Sanctuarium des Mombritius I, fol. 160.Neue Ausgabe in Büdingers Untersuchungen zur Rom. Kaisereesch. in,321—338. Vgl. dazu S. 1—11 Untersuchung von 0. Hunziker, S. 339 bis356 Archäologische Bemerkungen von 0. Benndorf, S. 357—379 Chronolog.Bern, von M. Büdinger. Vgl. den Bericht von A. Ilg in d. Mittheilungender Centralcommission XVII p. XLVn—LI. A. Duncker im Rhein. Mus.f. Philol. XXXI, 440—445. Edm. Meyer, Forsch. XVIII (1878) 577 bis 603.Giov. Batt. de Rossi: I santi Quattro Coronati e la loro chiesa sul Celio,im Bull, di Archeol. crist. 1879, mit Benutzung der ältesten Hs. in Paris,vgl. NA. V, 227. Petschenig, SB. d. Wiener Akad. XCVII, 761 bis 779,vgl. NA. VII, 226. C. Erbes in d. Zeitschr. f. Kirchengesch. V, 466—487.Ed. Meyer im Progr. d. Kgl. Louisengymn. in Berlin 1886, vgl. NA. XII,426. 602. — J. Jung a. a. 0. hat die Legende benutzt, und verweist auchS. 132. 159 auf die Geschichte der Nonsberger Märtyrer Sisinnius,Martyrius und Alexander (f 397) Acta SS. Mai. VII, 38—44. Gar wenigInhalt hat die chronologisch ganz unbestimmte Vita S. Florini, aus demVintschgau, Anal. Boll. DJ, App. p. 122—127.
2 ) Vgl. die Verschleppung des Dolichenoscult durch römische Soldaten;G. Seidl in den Wiener Sitzungsberichten XII, 4—90. XIII, 233—260.