Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
42
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42 ! Vorzeit. § 1. Römerzeit.

die -wohl nicht unbegründete Vertheidigung der Legende von demMartyrium der h. Afra zu Augsburg 1 ). Rettberg fällt ein günstige-res Urtheil nur über die Leidensgeschichte des heiligen Florian 2 ).Dieser, ein entlassener Veteran, soll in Folge der Verfolgungsedictevon Diocletian und Maximian (304) auf Befehl des Aquilinus, Präsesvon Ufernoricum, zu Lorch in die Ens gestürzt sein. Ungeachteteines schweren Steins, der an seinen Hals gebunden ist, trägt ihnder Flufs auf einen hervorragenden Fels, von wo eine fromme christ-liche Frau ihn in Folge einer Vision zur Bestattung abholt. DieseErzählung aber ist eine so deutliche Nachahmung dessen, was Hie-ronymus in seiner Chronik vom Bischof Quirin von Sissek erzählt,dafs sich die absichtliche Erdichtung darin kaum verkennen läfst.Denn es ist eben eine Eigenthümlichkeit dieser späteren Legenden-fabrikation, dafs sich in benachbarten Gegenden immer dieselbenTodesarten und "Wunder wiederholen; die Phantasie des Mittelalterserscheint darin arm und dürftig. Auch finden sich diese Angabenüber Sanct Florians Ende erst in Martyrologien des neunten Jahr-hunderts, die Handschriften der Legende reichen nicht höher hinauf 3 ),und nichts weist darauf hin, dafs sie etwa, wie das Leben Severins,in Italien aufbewahrt, und von dort zurückgebracht wäre.

Um so wahrscheinlicher ist es, dafs wirklich eine ununterbrocheneörtliche Ueberlieferung das Andenken dieses Märtyrers bewahrt habe.Denn wo sich jetzt mächtig und gebietend das schöne ChorherrnstiftSt. Florian erhebt, da galt schon vor mehr als tausend Jahren der

die Legende Fuit tempore pervelusto herausgegeben mit einer früher unbe-kannten Widmung an Erzb. Gero, wie es scheint die älteste Form, diehiernach durch einen Grafen Hoolf vom Erzb. Dunstan v. Canterburystammte. An die Thatsache des Martyriums einiger Christinnen und derenCult hat phantastische Sage sieh angeschlossen, welche schon Wandalbertvon Prüm bekannt war, in jener alten Legende noch in einfacherer Formerscheint, später auch absichtlich erweitert ist.

') Passio S. Afrae, wieder abgedruckt von Friedrich I, 427430.

2 ) I, 157. Passio S. Flortani, aus einer St. Emmerammer Handschriftsaec. X, bei Pez SS. I, 36. Vgl. dazu Glück, die Bisthümer Noricums, be-sonders das Lorchische, zur Zeit der römischen Herrschaft, Wiener SB.XVII, 60. Ueber den Grabstein der Valeria, die ihn begrub, Kenner imArchiv d. "W. A. XXXVIII, 174. In das CIL. ist er nicht aufgenommen,Th. Mommsen glaubt nicht, ihn als römischer Zeit entstammend anerkennenzu können.

3 ) Eine Handschrift in Lambach (nicht Linz) wird ins 9. Jahrh. ge-setzt, aber der Wiener Cod. 650, in welchem sich die zweite Bearbeitungfindet, ist nicht, wie Tabb. I, 112 gesagt ist, saec. IX, sondern saec. XII.Der St. Florianer Chorherr E. Mühlbacher, welchem ich diese Nachrichtverdanke, ist geneigt, jene erste Bearbeitung schon dem 7. Jahrh. zuzu-schreiben, das bereits Schenkungen zum Grabe des Märtyrers'aufweist, undbezieht sich auf einen Aufsatz in der Linzer theol. prakt. Quartalschrift 1868S. 437 ff.