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1 (1893)
Entstehung
Seite
38
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38 I- Vorzeit. § 1. Römerzeit.

Räumen der Prachtgebäude. Andere Städte, wie Regensburg undAugsburg, wie Trier, Cöln und Mainz, sind bewohnt geblieben, jaman hat geglaubt, dafs ganze römische Stadtgemeinden mit ihrerVerfassung und ihren Obrigkeiten sich hier erhalten hätten. EitlerTraum! Zu gründlich haben unsere Vorfahren hier aufgeräumt; werdurch Reichthum und ansehnliche Stellung hervorragte, fiel als Opferoder entwich bei Zeiten der Gefahr: einzelne fanden bei den ger-manischen Fürsten als Tischgenossen des Königs Aufnahme, abernur indem sie den alten Verhältnissen gänzlich entsagten und sichdem Gefolge des neuen Herrschers anschlössen. Und so wurden auchdie übrigen Romanen, so viele ihrer am Leben und im Lande blie-ben, als Hörige, einzelne hin und wieder auch als Volksgenossen,in die Gemeinschaft der Einwanderer aufgenommen.

In den Grenzlanden, welche schon durch den langen Kampfverödet waren, welche dann die ganze Wucht der hereinbrechendenbeutelustigen Heerschaaren traf, mag kaum ein römisch redenderBauer übrig geblieben sein; die Eroberer stürmten mit ihren Ge-fangenen weiter und liefsen das Land verödet hinter sich. Auchwar hier schon lange die Bevölkerung grofsentheils germanisch. Abern den Gebirgen des Südrandes 1 ) finden wir noch nach Jahrhundertenwälsche Bauern erwähnt; wo der überfluthende Strom seine Dämmefand, blieb unter der Herrschaft des deutschen Kriegers auch diegewonnene Beute der unterworfenen Bevölkerung. Sie mufste demneuen Herrn das Feld bauen und ihm dienen mit der sehr will-kommenen und geschätzten Arbeit ihrer kunstfertigen Hände 2 ).

Aber wo der Knecht den Herrn an geistiger Bildung übertrifft,da bleibt auch die Rückwirkung nicht aus, dafs dieser von seinemDiener lernt und manches von ihm annimmt. In Hauswirthschaftund Ackerbau wie im Handwerk haben sicher die Deutschen vielvon den Wälschen gelernt; vorzüglich aber zeigt sich die Einwirkungder besiegten Bevölkerung in der raschen Annahme des Christen-thums durch die Eroberer. In den Städten des Niederrheins undLothringens scheint die Reihe der Bischöfe kaum unterbrochen zusein, obgleich sich von der Fortdauer römischer Bevölkerung, soweit noch jetzt die Sprachgrenze reicht, keine Spur nachweisenläfst. In Noricum und Pannonien sind die alten Bischofsitze fast

2 ) Auch in der Ortenau, s. Aloys Schulte, Zts. f. Gesch. d. Oberrh. N.F. IV, 300-314.

2 ) Vgl. Julius Jung, Römer und Eomanen in den Donauländern, Innsbr.1877, und die Ergebnisse der durch Virchow veranlafsten Ermittelungenüber Farbe der Haut und der Augen.