Johann Friedrich Böhmer. Jaffe. 31
Vorarbeit dafür begonnenen Begesten beschränkt. Diese haben inden neueren Bearbeitungen immer weitere Ausdehnung erhalten;die kurzen Urkundenauszüge sind vollständiger geworden und durchAuszüge aus den Geschichtschreibern und Annalen in Verbindunggebracht; das ganze historische Material einer Periode wird demGeschichtsforscher geordnet vor Augen gelegt und in den Einleitun-gen die Quellen besprochen und gewürdigt. Der zuerst erschieneneTheil, von 919 bis 1197, bedurfte begreiflicher Weise auch zuerstder Berichtigung und Ergänzung. Diese Aufgabe stellte sich K. F.Stumpf in seinem Werke: „Die Reichskanzler vornehmlich des X.XL u. XII. Jahrhunderts", dessen Abschluss J. Ficker nach demfrühen Tode des Verfassers in der "Weise besorgte, dafs durch Auf-nahme von Böhmers Citaten das Buch selbständig geworden istund man der alten Regesten nicht mehr bedarf. Aufserdem aberist eine Neubearbeitung des ganzen Regestenwerkes in erweiterterForm in Angriff genommen, wovon die Regesten der Karolinger vonEngelbert Mühlbacher, und die der Staufer von 1198 bis 1272,von Ficker, ihrer Vollendung entgegen gehen.
Neben dieser, für die historischen Studien unendlich frucht-reichen Arbeit wurde Böhmer durch die Verwahrlosung der spä-teren Chroniken und den Besitz an reichem, aus Handschriften ge-wonnenem Stoff veranlafst, in den drei Bänden seiner Fontes HerumGermanicarum auch eine eigene Quellensammlung erscheinen zulassen, welche für das zwölfte bis vierzehnte Jahrhundert vom aus-gezeichnetsten "Werthe ist. Mit mannigfachen Entwürfen beschäftigt,die nicht mehr zur Ausführung kamen, ist Böhmer am 22. October1863 in Frankfurt gestorben; in seinem letzten "Willen hat er fürdie geeignete Verwerthung seines handschriftlichen Nachlasses unddie Fortführung seiner Arbeiten Fürsorge getroffen. Auch ist bereitsdurch Alfons Huber der vierte Band der Fontes herausgegeben,während eine grofse Fülle von werthvollem, urkundlichem Materialdurch Julius Ficker in den Acta Imperii Selecta verwerthet ist.Aufser der schon erwähnten Neubearbeitung der Kaiser-Regestenaber sind von A. Huber die Regesten Karls IV, von C. "Will dieRegesten der Mainzer Erzbischöfe als Theile dieses grofsen Corpuserschienen.
Eine umfassendere Quellensammlung von strengerem wissen-schaftlichen Charakter und mehr methodischer Art verdanken wirPhilipp Jaffe, lange Zeit dem vorzüglichsten Mitarbeiter der Monumenta. Von diesen zurücktretend, begann Jaffe ein selbständigesUnternehmen unter dem Titel Bibliotheca Herum Germanicarum. Hin-