Leibniz und seine Nachfolger. 15
rischer Einsicht. Und so leistete denn dieser aufserordentlicheMann allein einen grofsen Theil desjenigen, was jene gutgemeintenUnternehmungen bezweckt hatten, ohne zur Ausführung kommen zukönnen.
Schon 1693 gab Leibniz seinen Codex juris gentium heraus, dem1700 die zwei Folianten der Mantissa Documentorum folgten. Von1707—1711 erschienen dann die Scriptores Herum Brunsvicensium,welche theils die niedersächsische Landesgeschichte, theils die wei-fische Hausgeschichte erläutern sollten, und durch die grofsartigeStellung des weifischen Hauses, durch die Verflechtung desselbenin alle wichtigsten Angelegenheiten des Reiches einen universellenCharakter erhielten, der sie von allen anderen Sammlungen für spe-cielle Landesgeschichte unterscheidet. Eine Anzahl anderer wichtigerSchriftsteller war schon 1698 in den Accessiones historicae zuerstans Licht gebracht. Aber von den überreichen Sammlungen Leib-nizens war dadurch nur ein kleiner Theil erschöpft; nachdem erselbst vom Schauplatze abgetreten war, brachten seine NachfolgerEckhart, S. Fr. Hahn, Jung, Gruber, Scheidt aus seinem Nachlafsdas grofsartige Werk der Origines Guelficae zu Stande, welches nochjetzt einen ehrenvollen Namen behauptet, in Form und Inhalt aberganz auf den Vorarbeiten von Leibniz ruht 1 ).
Aber Leibniz hinterliefs auch noch ein anderes Werk, welchesallein ausgereicht hätte, um einen gewöhnlichen Menschen berühmtzu machen, die Anneden des abendländischen Reiches, zu welchenihn seine Forschungen über die Weifen ebenso hinführten, wie Mu-ratori die Geschichte des Hauses Este zur Verfassung der AnnalenItaliens veranlafste. Dieses Werk, welches Leibniz viele Jahre langvorzüglich beschäftigte, reicht von 768—1005, denn weiter ist erleider nicht damit gekommen. Es ist durchaus ein Meisterwerk,welches alle früheren Leistungen weit hinter sich läfst; auch hegtendie Zeitgenossen grofse Erwartungen davon, und lange war von demDruck desselben die Rede, der aber dennoch zum grofsen Schadender Wissenschaft unterblieb, bis in neuester Zeit Pertz das fast
') Die vorstehenden Angaben sind aus den Mittheilungen meines 1863verstorbenen Freundes Röfsler entnommen, welcher sie aus dem in Göt-tingen und Hannover verwahrten handschriftlichen Material geschöpft hatte,mit Benutzung der Nachrichten über Paullini's Briefwechsel im Serapeum1856, S. 65. 367, der Schriften Guhrauers u. a. Vgl. auch Lucä, derChronist Friedr. Lucä (Frankfurt 1854), S. 279—344; Pfleiderer, Leibnizals Patriot etc. S. 632 ff. Mit Benutzung von Paullini's Nachlafs in Jenaist der Aufsatz von Wegele gearbeitet: Das historische Reichscolleg, Imneuen Reich 1881, N. 25. Ueber Leibniz' Reise nach Wien 1708 s. Wilh.Guerrier, Leibniz in seinen Beziehungen zu Rufsland (1873) S. 67.