16 Einleitung. § 3.
schon in Vergessenheit gerathene Werk herausgab'), nachdem eingrofser Theil der darin enthaltenen Forschungen von neuem gemachtworden war. Aber noch immer ist das Werk sehr brauchbar, daes mit der vollständigen Uebersicht und Benutzung des bis dahinbekannt gewordenen Stoffes gearbeitet ist, während die sichere Me-thode, der durchdringende Scharfsinn und die geistvolle Behandlungdes grofsen Verfassers den Leser durchgehends fesseln und zur Be-wunderung fortreifsen.
Die Fehler der früheren Sammlungen, von denen auch die Leib-nizsche nicht ganz frei ist, den Mangel an kritischer Sichtung desStoffes, an systematischer Auswahl und Zusammenstellung, die Un-zuverlässigkeit der Abdrücke, schilderte niemand schärfer und ein-dringlicher als Joh. G. Eckhart 2 ), Leibnizens Gehülfe, dann Con-vertit und fürstlich Würzburgischer Bath. Dennoch vermied er inseiner eigenen Sammlung, dem Corpus Mstoricorum medii aevi (1723)keinen jener Fehler, vermehrte aber das vorhandene Material durchsehr werthvolle Beiträge.
J. B. Mencke veröffentlichte 1728 und 1730 noch eine sehrschätzbare Sammlung, B. G. Struve gab 1717 und 1726 die älterenSammlungen von Pistorius und Freher neu heraus; immer mehrwuchs die Masse des gröfstentheils rohen, ungeordneten, ungesichtetenMaterials; immer schwieriger wurde es, eine Uebersicht über dasselbezu gewinnen. Dieser Uebelstand veranlafste das Erscheinen vonSchriften, die als Wegweiser dienen sollten: J. P. Fincke's Indexin Collectiones Scriptorum Herum Germanicarum, Lips. 1737, 4 und dasvielgebrauchte Directorium von Freher, zuletzt 1772 von Ham-berger neu herausgegeben. Desselben Hambergers Nachrichtenvon den vornehmsten Schriftstellern, Bd. 3. 4. 1760, sind von gerin-ger Brauchbarkeit, dagegen des trefflichen Joh. Alb. FabriciusBibliotheca Mediae et Jnfimae Latinitatis 1734—1746, 8, und ed. Mansi1754, 4 noch jetzt unentbehrlich und von grofsem Nutzen. Eineneue vermehrte Ausgabe derselben mit Berücksichtigung der seitdemerschienenen Sammlungen und Ausgaben wäre sehr wünschenswerth
') G. W. Leibnitii Annales Imperii Occidentis Brunsvicenses, ed. G.H. Pertz. 3 Tomi. Hannov. 1843—1846. Mit einer sehr lehrreichen Vor-rede des Herausgebers. Vgl. Giesebrecht I, 797. Viele Nachrichten überdie Geschichte dieses Werkes, über die schlechte Behandlung, welcheLeibniz zu erfahren hatte, und die Intriguon Eckharts, welche dieselbehauptsächlich veranlafsten, enthält: Leibnizens Briefwechsel mit dem Mi-nister v. Bernstorff etc. von R. Doebner. Hann. 1882, und in d. Zeitschr. d.hist. Vereins f. Niedersachsen 1881.
2 ) Wegele in d. Allg. D. Biogr. V, 627—631; zu ergänzen aus der ebenerwähnten Publication von Doebner.