14 Einleitung. § 3.
Art gab bald darauf die kräftige Entwickelung der schon 1651 ge-stifteten, 1677 vom Kaiser privilegirten Academia Leopoldina NaturaeCuriosorum. Paullini in Eisenach fafste die Idee einer ähnlichenhistorischen Gesellschaft; er liefs 1687 eine Delineatio Collegii Im-perialis Mstorici gloriose et feliciter fundandi drucken und vertheilen.Mit vorzüglichem Eifer gingen Hiob Ludolf und Tentzel aufdiesen Gedanken ein; Ludolf theilte Paullini seine unmafsgeblichenBedenken mit und von ihm ging die förmliche Aufforderung zurTheilnahme aus, welche 1688 versandt wurde. Er war der Präsesder neuen Gesellschaft, welcher mehrere namhafte Gelehrte sichanschlössen. Vor allem aber bedurfte man materieller Unterstützung,ohne die sich wenig ausrichten liefs; man wünschte den Kaiser, denReichstag dafür zu gewinnen, man suchte nach vornehmen Patronen,aber man fand, wie Ludolf 1695 an Leibniz schrieb, keinen einzigen,welcher einen Pfennig daran wenden wollte 1 ). Nur der Herzog vonWürtemberg gewährte Pregitzer die Kosten zu einer Reise durchSchwaben, die Schweiz, Burgund und Frankreich, um die Archivezu durchforschen; seine Reiseberichte befinden sich auf der GöttingerBibliothek. Erfolg hatte also auch dieser Versuch nicht, und erkonnte kaum Erfolg haben zu einer Zeit, wo die höheren Ständeganz der französischen Bildung hingegeben, und die Gelehrtengröfstentheils von geistloser Pedanterie erfüllt waren, wo lebhafteTheilnahme für die Erforschung der vaterländischen Geschichte ebenso selten zu finden war, wie die Fähigkeit zum richtigen Verständnifsder Quellen.
Leibniz hatte diesen Bestrebungen von Anfang an grofse Theil-nahme zugewandt; er wies vornehmlich auf den unveränderten Ab-druck der reinen Quellenschriften hin, während Ludolf mehr eineBearbeitung der Reichsgeschichte ins Auge fafste. Leibnizen dagegenwar um fremde Darstellungen wenig zu thun; er wufste wohl, dafsUrkunden, in denen ein Anderer nichts finden konnte, ihm die be-deutendsten Aufschlüsse gewährten, und rieth deshalb ernstlich, dafsman sich nicht bemühen solle, um eine Geschichte stylo florido eteleganti zu schreiben, sondern man solle die Documenta und Urkundengeben, ut praesens aetas thesaurum quendam relinquat. Er zuerst erhobsich über den Dilettantismus und die Vielwisserei und verband dieausgebreitetsten Kenntnisse mit staatsmännischem Blick und histo-
l ) De Collegio nostro historico quod dicam vix habeo, adeo omnia frigent.Scilicet nemo de inagnatibus nostris est qui urgeat, multo minus qui obolumimpendat. Qui ad nutum alienum laborare debent sine magno autore, sinepraemio, sunt difficillimi. 1695, Dec. 9.