Leibniz. Das Collegium historicum. 13
Reichsabteien, selbst wenn sie es gewollt hätten, sich einer gemein-samen Leitung und wechselnden Aebten unterzuordnen. Das er-fuhren namentlich die Gebrüder Bernhard und Hieronymus Pez 1 ) inMelk bei ihren Bemühungen, neues Leben in den alten Ordender Benedictiner zu bringen, und die Stiftung einer Congregation,welche es möglich gemacht hätte, die vorhandenen Kräfte zu ver-einigen und, wie in Frankreich, planmäfsig für gemeinsame Zweckezu verwenden, scheiterte an solchen Hindernissen.
Material war freilich in grofsen Massen zu Tage gefördert, aberohne Auswahl, ohne Kritik; die neuen Publicationen fügten nur immermehr rohe Masse hinzu, in noch mangelhafterer "Weise, und niemandverstand es, den Stoff zu bearbeiten. Im siebzehnten Jahrhunderterschienen bei dem Uebergewicht des Partikularismus fast nur nochSammlungen für die Geschichte einzelner Reichslande. Eine neueEpoche beginnt dann mit Leibniz, dem Zeitgenossen Muratori's,und in noch viel höherem Grade würde dies der Fall gewesen sein,wenn nicht seine Forschungen unvollendet und grofsentheils unbe-kannt geblieben wären. Wie Muratori von der Geschichte desHauses Este, so ging Leibniz von den Weifen aus, und wie Muratoriwurde er durch diese Untersuchungen immer weiter geführt zu denausgedehntesten Quellenforschungen, welche die ganze Reichsge-schichte umfafsten, Forschungen, die sich andererseits an seinephilosophischen sowohl wie an seine staatsrechtlichen Studien an-schlössen. Er durchsuchte alle ihm zugänglichen Archive und Bi-bliotheken, und ergriff mit dem lebhaftesten Eifer den Plan einersystematischen Sammlung und Ausgabe aller vorhandenen Quellenfür die politische und die Rechts- und Kirchengeschichte, auf derenWichtigkeit und die Nothwendigkeit ihrer gründlichen Erforschungzuerst Conring energisch hingewiesen hatte.
Wohl einsehend, dafs die Aufgabe die Kräfte eines Einzelnenübersteige, versuchte man wiederholt, Gesellschaften zu diesem Zweckezusammenzubringen. Schon Johann Christian von Boineburg,der Rathgeber des Churfürsten Johann Philipp von Mainz, der FreundConrings, Leibnizens und Forsters, entwarf den Plan, ein Collegiumuniversale Eruditorum in Imperio Botnano mit vorzüglicher Rücksichtauf Geschichte zu stiften, und theilte denselben 1670 mehrerenGelehrten mit. Mainz, wo das Reichsarchiv sich befand, war zumSitz desselben bestimmt, allein es blieb bei diesen Anfängen undhatte keinen weiteren Erfolg. Neue Anregungen zu Versuchen dieser
■) S. Krones, Allg. D. Biogr. XXV, 569—575.