Die Forschungen der Humanisten. 3
bewunderungswürdige Thätigkeit und Litteraturkenntnifs durch keckeFälschungen selbst um den Ruhm gebracht hat, welcher ihr sonstgebühren würde. In seinem Auftrag durchforschte der BosauerMönch Paul Lang viele Klöster Bach "Werken über die deutscheGeschichte 1 ).
Vor allen aber war es Kaiser Maximilian, welcher die Er-forschung der deutschen Geschichte auf alle Weise beförderte undsogar selbst daran Theil nahm. Ueberall liefs er nach alten Ur-kunden und Chroniken suchen und belohnte jeden Fund; seinHistoriograph Stabius sollte daraus ein grofses Geschichtswerkzusammensetzen 2 ). Die bedeutendsten Gelehrten der Zeit suchte eran seinem Hofe zu vereinigen, und die "Wiener Universität erreichteunter ihm ihre höchste Blüthe; sie soll damals an 7000 Studentengezählt haben, und viele der angesehensten Humanisten fanden dortbegeisterte Schüler 3 ). In seinem Auftrag bereiste von 1498 bis 1505Ladislaus Suntheim aus Ravensburg das südwestliche Deutsch-land, um die Materialien zu einer genealogischen Geschichte deshabsburgischen und anderer deutscher Fürstenhäuser zusammen zubringen 4 ). Seinem gelehrten Arzt Johann Spiefshaymer, der sichCuspinian nannte 5 ), gab Maximilian 1508 den Auftrag, Bücher ausallen Theilen des Reichs zu sammeln, und einen ähnlichen Auftraghatte auch Dr. Jacob Mennel aus Bregenz (Manlius) erhalten 6 ),von welchem der Kaiser sich Nachts, wenn er an Schlaflosigkeitlitt, aus den alten Schriften vorlesen liefs'). Auch der talentvolle,aber unstäte Dichter Conrad Celtis, welchen Maximilian im Jahre
!) Horawitz in d. Allg. D. Biogr. XVII, 614.
2 ) Ueber ihn Aschbach, Gesch. d. kais. Univ. zu Wien TT, 363—373.Von den Belohnungen spricht Beatus Rhenanus, Ber. Germ, libri. III, p. 113,ed. 1551; p. 202. 203, ed. 1610.
3 ) Khautz, Versuch einer Geschichte der Oesterr. Gelehrten (1755),S. 121—125. Vgl. Kink, Gesch. der kais. Univ. zu Wien I, 226. Aschbach,Gesch. ders. Univ. I, 200 ff. Zweiter Band 1877 u. d. Titel: Die WienerUniversität und ihre Humanisten im Zeitalter Maximilians I.
4 ) Franz Pfeiffer, Das Donauthal von Ladislaus Suntheim, im Jahr-buch für vaterl. Geschichte (Wien 1861), S. 273—297. Ueber ihn Asch-bach II, 377—381. S. 378 die Instruction von 1505.
5 ) Ueber ihn Aschbach II, 284—309; Horawitz, Allg. D. Biogr. IV,662—664; G. Schepss im Archiv f. Unterfranken, 1884.
6 ) Der Rath von Freiburg im Breisgau meldet 1509 K. Max, der be-stellte Dr. Jacob Mennel könne mit den Chroniken nicht auf den Reichstagnach Worms kommen, weil er nach Oesterreich verreist sei. Zeitschr. f.Gesch. d. Oberrh. XVII, 254. Am 31. März 1510 beauftragte M. ihn mitgeschichtlichen Forschungen über die Häuser Oesterreich und Burgund.
7 ) M. Freheri SS. ed. Struv. II, 707. Ueber seine eigenen sehr mangel-haften Leistungen Horawitz, Allg. D. Biogr. XXI, 358—362.
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