4 Einleitung. § 1.
1497 nach "Wien berufen hatte, erhielt im folgenden Jahre vom Kaiserdie Mittel zu seiner letzten grofsen Reise in den fernen Norden,deren Frucht die Germania illustrata sein sollte, Celtis lange ver-sprochenes Hauptwerk, welches er aber bei seinem Tode 1508 un-vollendet hinterlassen hat 1 ). Doch sind seine eifrigen Forschungennicht ohne bedeutende Frucht geblieben. Im Kloster St. Emmeramzu Regensburg entdeckte er die Werke der Nonne Hrotsuit, welcheer 1501 herausgab. Im fränkischen Kloster Ebrach fand er denLigurinus, über den er selbst in "Wien, seine Freunde in Freiburg,.Tübingen, Leipzig Vorlesungen hielten; 1507 besorgten seine Augs-burger Freunde den Druck. Ihm danken wir auch die Entdeckungder Tabula Peutingeriana, jener merkwürdigen römischen Strafsenkartedes dritten Jahrhunderts, mit späteren Zusätzen erhalten in einerCopie des dreizehnten Jahrhunderts, welche sich jetzt in der WienerHofbibliothek befindet 2 ). Ihren Namen führt sie davon, dafs Celtissie in seinem Testamente dem gelehrten Augsburger Patricier Con-rad Peutinger 3 ) vermachte. Dieser, der ebenfalls von Maximilianzu seinem Rath erhoben war und fortwährend für künstlerische undgelehrte Zwecke in Anspruch genommen wurde, war 1506 beimKaiser in Klosterneuburg, um die alten Briefe dos Hauses Oesterreichzu besichtigen, und erhielt ein eigen Gemach in der Wiener Burg,wohin „S. Mt. von allen'orten Cronica und historien bringen lassen".Er selbst besafs die werthvollsten deutschen Geschichtsquellen undbeabsichtigte eine umfassende Sammlung derselben herauszugeben;leider kam dies "Vorhaben nicht in seinem ganzen Umfange zurAusführung, doch verdanken wir ihm mehrere vortreffliche Ausgaben,die aber Peutingers Namen nicht auf dem Titel tragen. Nachdemer 1507 bei der Herausgabe des Ligurinus geholfen, erschien 1515aus der in seinem Besitz befindlichen Abschrift die erste Ausgabe
2 ) Engelb. Klüpfcl de vita et scriptis Conradi Celtis Protucii, Frib. 1827.Erhard, Geschichte des Wiederaufblüliens wissenschaftlicher Bildung (1830)II, 1—146 und in der Encyklop. von Ersch und Gruber 21, 135. Kink a.a. O. S. 201 f. Aschbach II, 189—270. Job. Huemer in d. Allg. D. Biogr.IV, 82—88. Ueber die Angriffe auf die Echtheit der von ihm entdecktenWerke s. unten bei Hrotsuit und Ligurinus.
■) Die ältere Ansicht, welche sie dem Verfasser der Annalen von.Colmar zuschrieb, bekämpft Jaffe, MG. SS. XVII, 187. Vgl. Frid. Philippide tab. Peuting. Diss. Bonn 1876. Die neue Pariser Ausgabe von DesJardins ist unvollendet geblieben. Konr. Miller, Die Weltkarte des Castorius,.gen. die Peut. Tafel. In den Farben d. Orig. u. mit einleit. Text (mangel-haft). Ravensb. 1888. Rec. v. G. Hirschfeldt, Berl. philo]. Wochenschrift VIII,20 u. a. besonders auch gegen die Heranziehung des Namens Castorius.
3 ) Ueber ihn s. Th. Herberger, Conrad Peutinger in seinem Verhält-nisse zum Kaiser Maximilian. Augsburg 1851. 4. H. A. Lier, Allg. D. Biogr..XXV, 561—568.