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1 (1893)
Entstehung
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2 Einleitung. § 1.

Licht gezogen, und gefeierte Humanisten wenden auch diesem Feldeihre Thätigkeit zu. Das lebhaft erwachende Volksbewufstsein konnteebenfalls in der römischen Vorzeit nicht Befriedigung finden, wie esic Italien der Fall war, und wie mit den reformatorischen Bestre-bungen diesseit der Alpen überall ein kräftiger Aufschwung derLandessprache zusammenfällt, so auch ein eifriges Erforschen derheimischen Geschichte 1 ). Merkwürdigerweise ist es der italienischeHumanist Aeneas Sil vius aus Siena, den zuerst seine Forschungenüber österreichische Geschichte zur Bekanntschaft mit Otto vonFreising führten, der durch eine Goetweiher Handschrift JordanisGothengeschichte kennen lernte 2 ). Wenig später (1457) benutztePeter Luder mangelhafte Quellen zu rhetorischer Darstellungdeutscher Vorzeit 3 ) und Hartmann Schedel sammelte neben alt-römischen auch deutsche Inschriften und Chroniken*).

Mehrere unserer besten Geschichtsquellen sind uns nur in Ab-schriften des fünfzehnten Jahrhunderts erhalten, gerade wie somanche Classiker, und den Handschriften reihen sich bald die erstenDrucke au. Schon in diesem Jahrhundert, um 1472, wurde in Nürn-berg Honorius De imagine mundi gedruckt; in Ulm, 1473, erschiendie deutsche Uebersetzung der Flores temporum von dem Ulmer ArztH. Steinhöwel; zwischen 1470 und 1474, vermuthlich zu Augs-burg 6 ), die Historia Friderici I, welche nichts anderes ist als einTheil der Ursperger Chronik. In Poitiers wurde 1479 das BreviariumMstoriale bis 1428 gedruckt 6 ). Denn nicht als Quellen für gelehrteForschung betrachtete man damals diese Schriften; noch waren sieunmittelbar als darstellende Geschichtswerke willkommen, da man inder Sprache sowohl wie in der ganzen Denkweise jenen Zeiten nochnicht so fern stand, dafs es eines eigenen Studiums bedurft hätte,um sich an den Schriften des Mittelalters zu erfreuen, sie auch nurzu verstehen.

Zu den eifrigsten Sammlern und Forschern gehörte der gelehrteAbt Johann von Trittenheiro 7 ), der nur leider seinein der That

!) S. die Darlegung dieser Eichtung der humanistischen Studienin Deutschland bei R. v. Raumer, Gesch. d. Germ. Philologie (1870) amAnfang.

2 ) G. Voigt, Enea Silvio II, 312. 314. 320.

3 ) Wattenbach in d. Zeitschr. f. Gesch. d. Oberrh. XXIII, 24. Ders.Allg. D. Biogr. XIX, 376.

4 ) Wattenbach, Forsch. XI, 373. Allg. D. Biogr. XXX, 661.

5 ) 0. Abel, Archiv XI, 81. Giesebrecht, SB. d. Münch. Akad. 1881,I, 211.

6 ) L. Delisle, Bibl. de l'Ecole des chartes XL VI, S. 649668.

7 ) Monographie über ihn von Silbernagel, 2. Aufl. 1885.