Druckschrift 
Ein verschlossenes Land
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen
 

158 Sechstes Kapitel.

dieser Beziehung ist auch an eine Besserung nicht zudenken, bis das herrschende System beseitigt ist. Esfehlt den Coreern durchaus nicht an Kopf und Geschick-lichkeit, tüchtige Arbeiter aus sich herauszubilden, die miteiniger Anleitung und Aufmunterung ebenso viel leistenwürden wie ihre chinesischen und japanesischen Nachbarn. 1Dass der industrielle Unternehmungsgeist in einem Lande,das seit Jahrhunderten selbst seinen nächsten Nachbarn gänz-lich entfremdet worden ist und welches unter den drückend-sten politischen Verhältnissen leidet, nur auf einer sehrniedrigen Stufe stehen kann, ist leicht erklärlich.

Den Haupttheil der inländischen Industrie nimmt dieFabrikation der baumwollenen und hanfleinenen Stoffe ein,welche den gewöhnlichsten englischen ungebleichten Baum-wollwaaren bedeutend nachstehen; die für Soldaten undKinder bestimmten Stoffe werden gefärbt, die erstem dun-kelblau. Eine coreische Seidenfabrikation existirt nicht —das einzige, was ich davon gesehen, war eine Art gedrehterGürtelstricke von diesem Material, welche von den bessernKlassen getragen werden. Das Zeug, aus welchem dieStrümpfe gemacht werden, ist etwas feiner als die gewöhn-lichen Baumwollstoffe, urid aus einem Stück gewebt.

In zwei Artikeln excellirt die coreische Industrie in-dess — in der Papierfabrikation und in der Herstellungder feinen Draht- und Strohgeflechte, die besonders zu denallgemein getragenen Hüten verwendet werden. Das co-reische Papier ist ausgezeichnet und ungleich besser alsdie besten japanesischen Sorten. Es ist so stark, dass es

1 Als Beispiel führte Herr Eidel, einer der drei geretteten fran-zösischen Missionare, mir an, dass er einem coreischen Arbeiter seineUhr zur Reparatur übergehen habe, und dass er nicht wenig erstauntgewesen sei, als derselbe ihm nach einiger Zeit das genaue Seitenstückderselben gebracht habe, ohne je früher eine Uhr gesehen zu haben.