Handel und Industrie. 157
alte Son-yo, die frühere Residenz der Könige, bis dieselbenach Saoül verlegt wurde, in der Provinz Hoang-hai ge-legen. Hier findet man die eigentlichen Kaufleute desLandes und von hier aus wird der Haupthandel in solchenArtikeln betrieben, die zur Bekleidung und zum sonstigenLebensunterhalt der Bevölkerung erforderlich sind. NächstSunto ist wol Pieng-'an am Flusse und in der Provinzgleichen Namens die bedeutendste commerzielle Stadt desLandes, eine Eigenschaft, worauf Saoül, obwol die volk-reichste Stadt, keinen Anspruch machen kann. Ausser demHandel mit Lebensmitteln ist der Vertrieb des gewöhnlichen,allgemein zur Volkstracht verwendeten und im Lande ver-fertigten weissen und bunten Baumwollzeuges sehr ordi-nären Gewebes der bedeutendste. Es ist möglich, dass dieKaufläden der genannten Städte, die ich leider keine Ge-legenheit zu besuchen hatte, sich von denen in andernStädten durch Grösse oder Reichhaltigkeit der Waarenauszeichnen — doch möchte ich dies fast bezweifeln, wennich den mir gemachten Berichten Glauben schenken darf.Nirgends ist eine Spur des Getriebes und des geschäft-lichen Verkehrs zu bemerken, der die Strassen von Städtenselbst zweiten und dritten Ranges in China belebt, und manmöchte fast annehmen, dass der Handelsgeist des Volkesim tiefen Schlummer liegt und erst durch den Verkehrund Handel mit fremden Völkern geweckt werden wird.Auch im Felde der Industrie stehen die Coreer andernasiatischen Völkern weit nach. Als einziger Grund fürdiesen Mangel kann nur das entschiedene Unterdrückungs-system der Regierung verantwortlich gemacht werden,welche politischer Ursachen und Zwecke halber nichtallein jeden industriellen Fortschritt mit Ungunst betrachtet,sondern denselben geradezu gewaltsam zu unterdrückenund zu hindern sucht. Ein derartiges Vorgehen musstenatürlich jeden Aufschwung im Keime ersticken, und in