Druckschrift 
Ein verschlossenes Land
Entstehung
Seite
27
Einzelbild herunterladen
 

Die Hauptstadt Saoül. 27

nur aus einer Verdrehung der Benennung der ProvinzKien-kei, in welcher sie liegt, entstanden sein mag. DerCoreer nennt die Hauptstadt schlichtweg Saoül oderSeoul, d. h. Hof, oder Sitz des Königs, und dies ist deruliein richtige Name. Als königliche Residenz ist sieder Sitz der Centralregierung, und mit einer Einwohner-zahl von ungefähr 100—150000 Seelen ist Saoül heute woldie bedeutendste Stadt des Landes. Ausser den Hof- undliegierungsbeamten wohnen viele der adeligen Familien,wenigstens während eines Theiles des Jahres daselbst, undmachen eine beträchtliche Anzahl der Bevölkerung aus.Die Stadt unterscheidet sich von andern coreischen Städtenweder durch besondere Regelmässigkeit der Strassen nochdurch schöne und grosse Gebäude — sind die erstem auchbreiter als die meist engen Gassen der chinesischen Städte,so sind sie dagegen ungepflastert, und die öffentlichen Ge-bäude, wie die Paläste des Königs, in welchen derselbe mitseinem Hofstaat residirt, lassen keinen Vergleich mit denWohnungen der wohlhabendem Klasse der grossem StädteChinas zu. Ohne öffentliche Gebäude irgendwelcher Be-deutung, ohne Tempel mit auch nur annähernd ähnlichemSchmuck und Zierathen ausgestattet, wie die kleinernchinesischen Provinzialstädte sie aufweisen, die meistenHäuser einstöckig und viele nur aus Lehm gebaut, machtSaoül keineswegs den Eindruck, wie ihn die Hauptstadteines Landes wie Corea hervorbringen sollte. Fehlt es derStadt mit seiner grossen Einwohnerzahl auch nicht an Handelund Geschäftigkeit, so vermisst man doch alles, was an einefortschreitende oder irgendwie hervorragende Industrie er-innern könnte, und man findet nichts, was den berühmten Er-zeugnissen Chinas und Japans in Eisen, Holz, Porzellan oderLackwaaren auch nur im entferntesten gleichkäme. "Wer hierLäden wie die Kantons, Ningpos, oder einer japanesischenStadt zu finden hofft, würde sich arg enttäuscht sehen.