28 Erstes Kapitel.
Wie alle grössern coreischen Städte ist auch Saoulringsum von einer 9—10 Fuss hohen Mauer umzogen, welchesich indess weder durch Stärke noch durch ihre sonstigeBeschaffenheit irgendwie von denen kleinerer Plätze unter-scheidet, im Gegentheil im Jahre 186G in so erbärmlichemZustande war, dass ganze Strecken vor Altersschwächeniedergestürzt waren, ohne dass man damals eine Restaurirungfür sehr nöthig erachtet hätte. Seitdem die Franzosen ihrenBesuch in der Nähe abgestattet, sind diese Lücken wiederausgefüllt worden; nach andern seit der Zeit aufgeführtenBefestigungen zu urtheilen hat man sich indess wol mit demJahrtausende alten Princip einer einfachen Quadermauermit einem leichten Erdwall dahinter genügen lassen, mitwelcher man, nach den bescheidenen Ansichten der Coreerüber ihre eigene Tapferkeit und Unüberwindlichkeit, demstärksten Angriff irgendwelchen Feindes erfolgreich wider-stehen zu können glaubt.
Saoül ist indess nicht immer die Hauptstadt des Reichesgewesen und wurde erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts,während des Einfalls der Japanesen in Corea und nachdemdiese die alte Hauptstadt fast gänzlich zerstört hatten, zudiesem Range erhoben. Bis dahin war Sunto der könig-liche Residenzort gewesen, eine Stadt, die auch heute nochzu den bedeutendsten des Landes zählt und als Handels-platz den ersten Rang einnimmt, wie ihre Bewohner fürdie besten und grössten Kaufleute Coreas gelten. Suntoliegt im District gleichen Namens, welcher als Theil derProvinz Hoang-hai sich bis an den Kang-kiang erstreckt, derdie Grenze zwischen dieser Provinz und Kien-kei bildet.Die Stadt liegt ungefähr 20 Meilen vom Flusse entfernt.'
1 Nach Regis ist Sunto (oder Song-yo, wie er es nennt) ungefährum das Jahr 930 u. Chr. zur Hauptstadt erhoben worden, nachdembis zu diesem Pingarn (das heutige Pieng-'an) die königliche Residenz-stadt gewesen w»r.