744 Der Schanifugenschnitt.
mit einer Stich- oder von hinten her mit einer um die Symphyse ge-führten Kettensäge. Das hintere Kapselligament der Schamfuge musstenoch mit dem Messer durchschnitten werden, denn dessen Persistenzhinderte schon ganz allein eine Trennung der -beiden Schambeine.
Unter den Modificationen sind zu erwähnen: Die subcutaneDurchschneidung der Synchondrosis von hftiten her. Das Messer sollmit flach gehaltener Klinge vom Vestibulum aus eingestochen, danndie Schneide nach vorn gedreht werden. Endlich ist das Durchsägender Schambeine mittels einer Kettensäge von Stoltz empfohlen worden.Das allerneueste, was über diese Operation ausgesonnen wurde, isteine Resection der horizontalen Schambeinäste. Es soll eineKettensäge, von einem Schnitt der Haut am oberen Symphysenrandaus, durch das Foramen obturatorium herumgelegt und der horizontaleAst der einen Seite durchgesägt werden. Das gleiche Verfahren sollsich auf der anderen Seite wiederholen und endlich auch mit derKettensäge quer zwischen beiden Foramina obturatoria durchgesägtwerden, so dass der obere Rand der Symphyse und die zunächstliegenden Partieen der horizontalen Schambeinäste wegfallen. DieserVorschlag ist von Benno Crede ausgegangen. Wir werden späternoch kurz auf denselben zurückkommen.
Die Gründe gegen die Symphyseotomie sind:
1) die ungenügende Erweiterung des Beckens.
Es sollte die Symphyseotomie den Kaiserschnitt vermeiden lassen.Nun ist aber nach den Lobrednern der Symphyseotomie überhaupt nurdie Indication vorhanden bei einer Verengerung der Conjugata unter3" = 8,12 cm bis zu 2 1 J2 // = 6,77 cm. Es kann sich also in keinemFall um Symphyseotomie oder Kaiserschnitt handeln, denn die absoluteIndication zu der letzteren Operation beginnt erst bei den hohen Gradenvon Beckenenge, wo man die Symphyseotomie als aussichtslos nichtmehr macht. Es handelt sich um Symphyseotomie oder Perforation.Da ist heutzutage wenigstens in Deutschland die Wahl fest entschieden.Die Mortalität der Kinder ist nicht besser als bei Zangenanlegungam engen Becken, die Mortalität der Mütter ganz unvergleichlichschlechter.
2) ist es nie vorauszusehen, wie viel die Symphyseotomiedie enge Stelle erweitern kann. So brachte nach Kilian eineEntfernung der Symphyse um 1" 9'" = 4,74 cm nur eine Erweiterungum 3,3 mm; also die grösstmögliche Querspannung nur eine unerheb-liche Verbesserung der Conjugata. Das höchste Maass, um das dieConjugata vergrössert werden konnte, war 6"' = 1,3 cm;
3) setzt die Operation, wenn das Kind nicht sehr leicht geborerfwerden kann, wenn z. B. die Zange noch angelegt werden muss, dieSynchondroses sacroiliacae der grössten Gefahr der Zerreissung undFractur aus;
4) sind auch die Erfolge Pyrrhussiegen vergleichbar;' denn diegeretteten Mütter trugen in der Mehrzahl unheilbare Blasenscheiden-fisteln, Incontinentia urinae, unsicheren, schwankenden Gang, Vorfall