Pathologie der Geburt.
Verlauf und Behandlung der Geburten werden ganz wesentlichdurch drei Verhältnisse beherrscht, nämlich die Wehenthätigkeit, diebaldige Eröffnung des Muttermundes und das Fehlen eines räumlichenMissverhältnisses.
Jeder beschäftigte Geburtshelfer wird es erleben, welche Schwierig-keiten sich um dieser Verhältnisse willen thürmen können. Es machteinen bedenklichen Eindruck, wenn man an ein Kreissbett tritt undnach gesprungener Fruchtblase schlechte Wehenthätigkeit oder einennoch ganz engen dicken Halskanal, womöglich auch das kleine Beckenleer und nur ganz hoch einen unbestimmbaren Kindestheil findet.
Ganz gleich, wie die Abnormität heisse, es ist immer von grösstemGewinn für die Gebärende, wenn eine ordentliche normale Wehen-thätigkeit vorhanden ist, auch wenn dies Schmerzen macht. DemGeburtshelfer sind die Hände gebunden, wenn die Wehenthätigkeitfehlt und der Muttermund noch eng und straff ist. Wo sonst mitbestem Erfolg zu helfen wäre, kann er es unter solchen Verhältnissennur schwer und mit grosser Gefahr thun. Selbst beim engen Becken,das im allgemeinen in einem sehr ominösen Rufe steht, ist die Prognosebei kräftiger Wehenthätigkeit und vollkommen eröffnetem Muttermunddurchaus noch nicht schlecht, falls der Geburtshelfer seine Aufgabeversteht und pflichtgemäss erfüllt. Eine ungenügende Wehenthätigkeitjedoch macht die Geburt bei engem Becken, aber auch bei grösserenBlutungen, ja selbst bei ganz normalen Verhältnissen zu einer Cruxmedicorum et parturientium. Weil diesen Verhältnissen eine so hoheprognostische Bedeutung zukommt, verlangt es das praktische Interesse,ihnen vollste Berücksichtigung zu Theil werden zu lassen. Nach diesendrei Gesichtspunkten gruppiren wir die gesammte Pathologie der Geburt.