742 Die Laparotomie.
Zweimal kamen die Kinder lebend, konnten aber nicbt erhalten bleiben, weil sieunreif waren. Das dritte, ziemlich ausgetragene Kind ging während der Agonezu Grund und zwar wesentlich in Folge einer colossalen Temperatursteigerung.Das Thermometer zeigte in der Achselhöhle kurz vor dem Tod 43,5 ° C. DasKind war innerhalb einer Minute herausgeschnitten, zeigte aber kein Lebens-zeichen mehr.
Der Bauchschnitt, Laparotomie.
Jeder Kaiserschnitt setzt die Eröffnung der Bauchhöhle voraus.Wie dies gemacht werden soll, haben wir schon besprochen. Hierhandelt es sich um die Operation bei Bauchhöhlenschwangerschaftund bei Gebärrautterzerreissung mit Austritt des Kindes in die Bauch-höhle.
Bei der Abdommalschwangerschaft schneide man stets mittenauf den Fruchtsack ein. Wenn man auch durch alle Bauch-muskeln dringen muss, so ist diese Schnittführung doch besser, weilman um so eher den Fruchtsack mit der vorderen Bauchwand "ver-wachsen findet. Liegt der Fruchtsack direkt hinter der Mittellinie,so ist kein Grund vorhanden, von dieser abzugehen. Muss man aberseitlich vom M. rectus abd. incidiren, so trifft man einige Querfingerüber der Symphyse unter dem queren Bauchmuskel auf die A. epi-gastrica inferior. Es ist sehr leicht, dieselbe frei zu legen und doppeltzu ligiren, ehe man sie durchschneidet.
Immer ist die beste Methode, mit zwei Pincetten sich tiefer zuarbeiten, alles in Falten zu heben, ehe man durchschneidet und mehrdurch Zerreissen als mit dem Messer zu trennen.
Ist man bis zum Fruchtsack gelangt, so ist die wichtige Frage,ob und wo er mit dem parietalen Blatt des Peritoneumsverwachsen sei. Die Kranke wird mehr in sitzende Stellung ge-bracht, dann durch Einsetzen eines kleinen scharfen Häkleins odermit einer Nadel eröffnet und nun der Inhalt, der meistens zersetzt ist,abgelassen. Nachher wird die Fruchthöhle ausgespült und erst nach-dem die gefährliche Flüssigkeit so viel als möglich weggespült ist,wird nach Eröffnung der vorderen Wand des Fruchtsackes derselbemit Balken- oder Matratzennähten überall, wo er nicht verwachsenist, an die Bauchwand angenäht und die Bauchhöhle vollständig ab-geschlossen. Erst jetzt wird der Fötus extrahirt. Ist er todt, so wirdman nie den Schnitt erweitern, sondern den Fötus zerschneiden. Ander Placenta darf man ja nicht rühren. Besser ist es, sie als nolime tangere zu behandeln und sie durch Eiterung ausstossen zu lassen.Die Fruchthöhle wird wenigstens zu einem grossen Theil offen ge-lassen, in denselben ein fingerdicker Drain, am besten ein Glasrohrvon 10—12 cm Länge eingelegt und im weiteren Verlauf mehrmalstäglich die Wundhöhle ausgespült.