740 Prognose und Statistik des Kaiserschnittes.
C. Kays er stellte 338 Fälle aus der Zeit von 1750 —1838 zusammen.Von diesen waren 128 genesen, 210 dem Tod verfallen. Nach Mi-chaelis stellt sich also die Mortalität auf 54, nach C. Kays er auf62 °/ 0 . Unter 43 tödtlich abgelaufenen Fällen waren 7 an Blutung zuGrunde gegangen. Zu genau demselben Mortalitätsverhältniss wieMichaelis kommt die neueste Zusammenstellung von Mayer 1 ) über1605 Operationen. Diese Statistiken sind viel zu günstig.
P. Müller hat die Mortalität des alten Kaiserschnittes aus ganzenLändern, Württemberg, Hessen, Nassau auf ca. 85 °/ 0 berechnet.
Dieser trostlosen Prognose stehen allerdings auch einzelne Glanz-effecte gegenüber:
Maslieurat-Laguemard soll 6 Frauen durch den Kaiserschnittentbunden und alle 6 gerettet haben, Decoene 5 von 6 Operirten,Stoltz 4 von 6, Kilian 4 von 7.
Zusammenstellungen aus kleineren Kreisen geben eher ein richtiges Bildweil darin auch alle unglücklichen Fälle bekannt sind. Nach Gueniot (Virchow-Hirsch, Jahresber. 1870, II, p. 543) sind in Paris bei 40 Kaiserschnitten alleMütter gestorben, nach Lehmann ist in Amsterdam von 19 Operationen an 18 Frauennur 2mal ein guter Ausgang gewesen, nach G-reenhalgh (Brit. med. J. 1867,Nov. u. Dec.) starben von 9 Operirten 8, nach Uhde von 22 Frauen 20. VanHuevel hatte von 20 Kaiserschnitten keine Frau retten können (Horwitz, Lehrevon der künstl. Entbindung. 1881, p. 79).
Vergleichen wir nun damit die Statistik, welche bis jetzt in dersehr kurzen Zeit durch die Porro'sche Operation erzielt wurde.
Nach der Zusammenstellung, die ich im Arch. f. Gyn. Bd. XVIIpublicirt habe, kommen auf 53 Porro'sche Kaiserschnitte 32 Todes-fälle oder eine Mortalität von 60,3 °/ 0 . Sie lautet nach neueren Be-richten ca. 50 °/ 0 .
Diese Zahlen beweisen, dass die Porro'sche Operation eine grosseVerbesserung der Mortalität gebracht hat und sind besonders von denOperateuren, die schon mehrmals Gelegenheit zu seiner Anwendunghatten, sehr gute Resultate erzielt worden.
Aber noch viel bessere Resultate ergibt der alte Kaiserschnittmit der richtigen Uterusnaht. Die Zahlen sind bis jetzt beständig imWachsen und die Mortalität beständig in der Besserung begriffen.
Caruso gibt bei den ersten 135 Fällen bedingte und unbedingteIndication zusammengerechnet 25,56 °/ 0 Mortalität der Mütter und 8,27 °/ 0der Kinder an. Darunter sind nun viele Probirfälle, wo Lehrgeld ge-zahlt werden musste. Von 21 in der Leipziger geburtshülflichen Klinikausgeführten Kaiserschnitten ist eine Frau, die ein Assistent operirte,gestorben, alle Kinder lebend gekommen, also nicht einmal 5 °/o Mor-talität. Wie oben angegeben, sind von mir persönlich 11 Kaiser-schnitte mit Uterusnaht und alle mit Erfolg für Mutter und Kindoperirt worden.
') Sulla gastroisterotomia. Napoli 1867. Vergl. Bromeisl, Wiener med.Wochenschrift 1868. Nr. 67.