Nachbehandlung beim Porro'schen Kaiserschnitt. 739
Die Nachbehandlung
ist die gleiche wie bei Ovariotomie mit extra-abdomineller Behandlungdes Stieles. Kommt Fieber, so muss der Verband geöffnet werden.Irgend welche Manipulationen am Stiel, z. B. stärkeres Zuschnüren,um die Lösung zu befördern, sind nicht erlaubt. Alle Secrete werdenmit reiner Watte entfernt. Wenn keine Eiterung an den Stichkanälenfrüher dazu zwingt, werden die Nähte erst am siebenten Tag entfernt.Sollte der Stumpf jauchen, so ist eine Lage Carbolgaze überzulegenund darauf ein Pulver zu streuen, das aus gleichen Theilen Gyps undSteinkohlentheer besteht.
Auf das Nahtmaterial kommt nicht viel an, doch regt der glatte,dünne Silberdraht am spätesten eine Eiterung der Stichkanäle an.Gewöhnlich ist der Schnitt bei allen Laparotomieen in ■ 7 Tagen festverheilt und sind alle Nähte zu entfernen. Doch kann ein starkerMeteorismus der frisch geheilten Narbe gefährlich werden und Meteo-rismus wird beim Kaiserschnitt um so eher eintreten, als man meistensvorher keine Zeit zur vollständigen Entleerung des Darmes hat.
Prognose, Statistik und Casuistik des Kaiserschnittes.
Die Prognose des alten Kaiserschnittes ohne Uterusnaht lässt sichnach folgenden Thatsachen ohne weiteren Commentar beurtheilen. Dieletzten bekannt gewordenen Erfolge in Paris datiren aus den Jahren1782 und 1787 und waren ausgeführt von Lauverjat. A. Dubois(17), De Paul (4), Danyau (3) zählten ebenso viel Leichen alsOperirte. In Prag war die letzte mit Erfolg gekrönte Sectio caesareaim Jahre 1844 von W. Lange ausgeführt worden. In der WienerGebärhausstatistik ist der letzte gelungene Kaiserschnitt in den ZeitenBoer's vorgekommen.
Sicher ist die aus den Berichten aus allen Zeiten und aller HerrenLändern zusammengestellte Statistik nicht richtig und immer viel zugünstig, weil dabei die glücklich abgelaufenen Fälle paradiren undeine Masse verunglückter todtgeschwiegen ist.
Mit dieser Reserve recapituliren wir zwei möglichst volltän-dige, ältere Zusammenstellungen von Gust. Ad. Michaelis 1 ) undC. Kays er 2 ). Der erstere gibt Nachricht über 258 hinreichend veri-ficirte Kaiserschnitte und zwar 148 aus vergangenen Jahrhunderten und110 aus diesem. Von den 148 sind 78 Todesfälle gegenüber 70 Hei-lungen; von den 110 sind 62 gestorben, 48 genesen. Zehnmal kamein zweiter Kaiserschnitt mit glücklichem Erfolg an derselben Frauvor; 5mal dagegen starb die Frau in Folge der zweiten Operation.
1 ) Abhandlungen aus d. Geb. d. Geburtshülfe. Kiel 1833.
2 ) De eventu sectionis caesareae. Havn. 1841.