Porro'scher Kaiserschnitt. 737
Die Ausführung der Porro'schen Operation.
Die Vorbereitungen sind vollständig die gleichen wie für dengewöhnlichen Kaiserschnitt. Schon oben haben wir die nothwendigenInstrumente angegeben.
Der Schnitt muss nicht länger sein, als bei der gewöhnlichenSectio caesarea, wenn man nicht anders verfahren will, als die erstenPorro'schen Vorschläge lauteten.
Um aber der Blutung Einhalt zu thun, hat P. Müller die Modi-fication eingeführt, den schwangeren Uterus uneröffnet aus der Schnitt-wunde hervorzuwälzen und vor dem Einschnitt zu umschnüren. Fürdiese Müller'sche Modification muss die Incision der Bauch-decken über dem Nabel beginnen und zwar gewöhnlich dreiQuerfinger breit. Sollte auch diese Schnittlänge zur Vorwälzung derGebärmutter unzureichend sein, so muss die Incision noch weiter ver-längert werden, aber selbstverständlich immer nach aufwärts.
Das Kind wird entwickelt und abgenabelt wie beim Nor-malkaiserschnitt, und ebenso die Placenta geholt. Dannwird der Fruchthalter hervorgezogen und an der Cervixdurch einen starken Gummischlauch mit aller Kraft um-schnürt. Zur soliden Sicherung wird nunmehr oberhalb desKautschukschlauches ein recht starker Draht herumgelegt, am bestender doppelt gelegte und gedrehte Eisendraht, der zu Köberle's Serre-noeud passt, oder ein Kautschukschlauch nach der Hegar-Kaltenbach-schen Methode zur dauernden Abschnürung benützt.
Der Draht muss sehr stark sein. Schon wiederholt ist ein Zer-springen der Schlinge eingetreten und darauf eine gefährliche Blutungentstanden.
Die Schlinge braucht nicht stärker angezogen zu werden, als bisdas umschnürte Gewebe weiss, also blutleer geworden ist.
Ehe man die Schraube ganz anzieht, bedenke man die Schnür-apparate am Abdomen so zu legen, dass sie in dem Verband ohneSchwierigkeit geborgen werden können.
Die abgeschnürten Organe werden mindestens zwei Querfingerbreit über der Drahtschlinge von hinten anfangend abgetragen.
Wenn Blut in die Bauchhöhle gekommen ist, überhaupt zurToilette des Peritoneums, wird es empfehlenswerther sein, die Reinigungzu machen, solange man noch an der letzten Brücke von Uterusgewebeden Stiel nach vorne ziehen kann, damit man nicht durch Ziehen amSerre-noeud ein Abgleiten verursache.
Die Ovarien müssen regelmässig mit entfernt werden;denn es ist ein Fall von Köberle bekannt, wo nach einer supra-vaginalen Exstirpation des Uterus ausserhalb der Gravidität die Cervixoffen blieb und später eine Bauchhöhlenschwangerschaft entstand, anwelcher die Frau starb. Wenn es auch denkbar ist, dass sich imWochenbett bei der Involution des Uterusstumpfes ein definitiver Ver-Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 47