Die Porro'sche Methode des Kaiserschnittes. 731
1876 veröffentlicht wurde-, trat sie in Wettkampf ein gegen die alteMethode des Kaiserschnittes ohne Uterusnaht, welche grauenerregendeResultate gab. Sie brachte unbedingt eine ganz wesentliche Verbesse-rung der Mortalität. Diese Methode ist jedoch durch die Ergebnisseder Uterusnaht so bedeutend überholt worden, dass sie nur noch aus-nahmsweise in Anwendung kommen kann und zwar da, wo die Normal-Operation mit Naht nicht mehr zu wagen ist.
Solche Verhältnisse sind gegeben, wo man ein septischinficirtes Organ zurücklassen müsste, wo wegen Scheiden-narben oder anderer Verhältnisse kein Abfluss der Lochienmöglich wäre, wo grosse Geschwülste, Fibroide u. dergl. an der Ge-bärmutter sitzen, vrelche die Frau krank erhalten, ihr vielleicht eineneue Operation nothwendig machen, die vereitern könnten u. s. w.
Nach langen Entbindungsversuchen bei Fieber der Kreissendenist wohl zu überlegen, ob man den Uterus mit Naht behandeln underhalten oder denselben mit den Ovarien entfernen müsse.
Dass der Kaiserschnitt mit gleichzeitiger Exstirpation des Uteruseine bessere Prognose geben soll, als das frühere Verfahren, scheintvon vornherein unglaublich. Der Eingriff wird viel grösser; aber vonder Erschütterung des Körpers, von einem Shok fürchtet man nichtsmehr. Dagegen wird die Wundfläche durch die gleichzeitige Exstir-pation eher verkleinert. Dass das Fortpflanzungsgeschäft der Be-troffenen für alle Zeiten beendet ist, wurde bei der Discussion derPorro'schen Operation zu viel in den Vordergrund gestellt. Denndies könnte keine Veranlassung abgeben, den Eingriff so zu vergrössern,weil man auf einfachere und ungefährlichere Weise die Frauen steri-lisiren könnte, z. B. durch Unterbindung beider Tuben. Ohnehin wirdes auch Leute geben, die darin noch ein Unrecht sehen, dass man eineFrau der Möglichkeit entrückt, für die Fortpflanzung weiter zu sorgen,selbst wenn sie dabei einen zweiten Kaiserschnitt bestehen müsste.
Die hauptsächliche Begründung besteht in der Ein-schränkung der Blutung während der Operation, in der Aus-schaltung des Wochenflusses mit allen Gefahren, die dieserbringen kann, und des Geburtstraumas, was alles beim altenKaiserschnitt gar nicht oder doch nicht ebenso sicher mög-lich war.
Als Normaloperation zur Entfernung des Gebärmutterkörpersbetrachten wir das Verfahren mit Versenkung des Stieles.
Das ist nun nicht die Porro-Operation. Doch bietet sie alleVortheile derselben und verbindet damit noch alle Vortheile, welchedie Stielversenkung gegenüber der extraperitonealen Stielbehandlungüberall voraus hat: es gibt bei der Stiel Versenkung keine weitere Nach-behandlung ausser dem Entfernen der Bauchwandnähte, es gibt keineBauchhernien, nicht die Gefahr der Spätinfection, nicht die grossenZerrungen und Schmerzen.