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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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730
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730 Kaiserschnitt mit Uterusnaht.

durch die Bauchdecken gestochen werden. Die Folge einer solchen Nahtlegungwäre die Anlöthung und Verwachsung der Gebärmutter mit der vorderen Bauch-wand. Wer die Nachtheile der unfreiwillig entstandenen Verwachsung kennenlernt, wird sicher einen solchen Vorschlag nichts weniger als rationell finden.

Spencer Wells 1 ) hatte in einem Fall den schwangern Uterus punctirt.Nach vollständiger Entleerung desselben wurde die Wunde mit einer fortlaufendenNaht geschlossen, das eine Ende aus der Scheide, das andere mit dem Ovarienstielaus dem unteren Wundwinkel hinaus geleitet.

Aber die Sorge wegen der Versenkung fremder Körper in die Bauchhöhleist längst in alle Winde verflogen man weiss heute ganz sicher, dass diesnichts zu bedeuten hat, wenn die Materialien absolut rein sind.

Deswegen ist heute Seide so gut zu gebrauchen als Juniperus- oder Chrom-säure-Catgut.

Wenn auch in den letzten 20 Jahren mehrere Fälle von Veit, Gürtler,Birnbaum geglückt sind, so ist doch erst durch die recht zahlreichentiefen Nähte ein wesentlicher Fortschritt erreicht worden. Es istdas unbestreitbare Verdienst Sang er's, durch seine verschiedenen Versuche dieUterusnaht als die Hauptsache beim Kaiserschnitt nachgewiesen zu haben. Dieursprüngliche Idee Sänger's, dass es hauptsächlich darauf ankomme und geradedies die Heilung und Sicherung der Uteruswunde befördere, wenn der Peritoneal-überzug der beiden Wundränder nach Art der Lembert'schen Darmnaht ein-geschlagen und in Falten an einander genäht würde, ist fallen gelassen worden.Darauf kommt es nicht an. Die Naht der Serosa kann nur die Bedeutung haben,den Uterus möglichst vor Verwachsungen zu schützen. Und trotzdem zeitigtediese Idee Sänger's eine zuverlässige Naht. Weil nämlich das Einfalzen undReseciren der Uteruswand nicht ohne starke Blutung durchzuführen war, wurdeder von P. Müller in die Kaiserschnittoperation eingeführte Gummischlauch zurprovisorischen Blutstillung herangezogen. Die provisorische Blutleere fehlte früherund die Blutung hinderte die grosse Wunde längere Zeit klaffend zu erhalten unddie Nadeln in der ganzen Dicke, unter ebenso genauer Controle des Ein- und Aus-stiches durchzuführen. Was aber von der Naht von aussen her nicht erreichtwurde und klaffend blieb, blutete. Das in die Uterushöhle ausgetriebene Blutregte Contractionen an, die ihrerseits die Naht einer Probe aussetzten, welchedieselbe begreiflicherweise oft nicht bestand. So ist es in einem meiner eigenenFälle ergangen, wo meine zahlreichen geknoteten Nähte sämmtlich über einem Blut-gerinsel in der Gebärmutterhöhle durchgeschnitten hatten.

Uebrigens habe ich in 3 vorangegangenen Kaiserschnitten an der Lebendenstets mit vielen Nähten aus Seide genäht, doch nie mit Sicherheit durch die ganzeDicke der Uteruswand.

In gleicherweise und noch früher als Sänger arbeitete auch Kehrer 2 ) aneiner Verbesserung der Uterusnaht, die im wesentlichen auf die doppelte tiefeMuskel- und die oberflächliche Serosanaht hinauslief. K ehrer's Methode hat jedochwegen der tiefen und queren Schnittrichtung grössere Unbequemlichkeiten für diepraktische Ausführung. Sie muss auf die provisorische Blutstillung verzichten.

Die Porro'sche Methode des Kaiserschnittes oder Oophoro-hysterectomia

partialis ohstetricia 8 ).

Als die Porro'sche Methode des Kaiserschnittes, welche darin be-steht, dass nach dem Kaiserschnitt der Uterus weggeschnitten wird,

') Med. Times 1868. 30. Sept.

2 ) Vergl. oben die Literaturangabe.

3 ) Harris empfahl zur Unterscheidung von der gewöhnlichen supravagi-nalen Uterusexstirpation die BenennungCaesarean Ovaro-hysterotomy". RichtigeristOophoro- hysterectomia obstetricia".