Kaiserschnitt mit Uterusnaht. 729
2raal 24 Stunden stillen und sind von uns in jeder Beziehung wie dieanderen Wöchnerinnen behandelt worden.
Anmerkung: Ich habe seit 2 Jahren persönlich 11 Kaiserschnitte mitUterusnaht ausgeführt und alle Frauen und alle Kinder am Leben erhalten. Trotzdieser Erfolge haben sich einzelne nachtheilige Folgen, die noch der Verbesserungbedürfen, geltend gemacht.
Eine dieser Folgen ist das Festwachsen der Gebärmutter an dervorderen Bauch wand. Dies wird verursacht durch Austritt von Blut undWundseeret aus dem genähten Uterusschnitt, welche eine locale Organisation unddie Bildung von Pseudomembranen anregen. Gerade zur Vermeidung solcherVerwachsungen halte ich die von Sänger empfohlene sero-seröse Decknaht fest.Doch bin ich mit deren Ergebnissen noch nicht zufrieden. Die meisten Uteriwaren mit der vorderen Bauchwand verwachsen. War die Verwachsung hoch, soblieb die Frau leicht steril, weil der Muttermund hoch empor gezogen und dieScheide lang ausgestreckt war. Natürlich kann nur von relativer Sterilität ge-sprochen werden.
Ernstere Nachtheile bringt diese Verwachsung im Fall einer neuen Schwanger-schaft. Nicht Schmerzen sind es, welche etwa durch die Dehnung der Narbenentstehen, dagegen eine ausserordentliche Anteflexio uteri gravidi. Durch dieAdhaesionen wird die schwangere Gebärmutter an der vorderen Bauchwand fest-gehalten. Vergrössert sie sich, so bohrt sie sich gleichsam in die Narbe derBauchhaut ein, drängt dieselbe auseinander (Diastase) und wächst spitz über diehorizontalen Schambeine hinaus. Bei der Frau, bei welcher ich dies beobachtenkonnte, fehlten Schmerzen vollständig.
Es ist ein Mittel naheliegend, die Verwachsungen mit der Bauchhaut zuvermeiden, indem man vor den Uterusschnitt und zwischen diesen und die Bauch-wand das grosse Netz vorlegt. Ich scheute mich dies bisher als Regel zubenützen, weil es bei der Verkleinerung des Uterus und seinem Herabsteigen indie Beckenhöhle mittelbare Zerrungen am Colon transversum und eine Abknickungder Flexura coli dextra, also Ileus zur Folge haben könnte. Immerhin werde ichbei den kommenden Fällen versuchen, das grosse Netz gleichsam als Pflaster aufden Gebärmutterschnitt zu legen, um diese Verwachsungen mit der Bauchwandzu vermeiden.
Als Nahtmaterial benützten wir mit guten Erfahrungen, sowohl Chromsäure-Catgut als ausgekochte Seide, in den letzten Fällen festen, voran auf seine Keim-freiheit geprüften Juniperuscatgut und sahen dabei den bestmöglichen Verlauf.
Geschichte der Uterusnaht. Der erste, welcher die Uterus wunde nachdem Kaiserschnitt nähte, war Lebas (27. August 1769), Wundarzt in Mouilleron.Er legte 3 Nähte an. Trotzdem die von ihm Operirte genas, fehlte es nicht anVerurtheilung des Verfahrens, ohne dass es nur geprüft worden wäre.
In Deutschland war Wiefei in Hülsenbruch der Erste, welcher eine Uterus-naht legte, weil die Wunde klaffte. Er entschloss sich jedoch nur zu einer einzigenNaht, welche er ca. 14 Tage post op. wieder löste.- Es folgten dann Godefroy,Malgaigne und Lestocquoy, so dass Hasse in seiner Preisschrift (Commen-tatio de sectione caesarea, Göttingen) bis zum Jahr 1856 nur 6 Fälle von Uterus-naht mit 4 Heilungen erwähnen konnte. Das Nähmaterial war zuerst Zwirn undSeide. Es bekam jedoch, seitdem die Amerikaner die Silbersutur eingeführthatten, dieses Material den Vorzug. Ausserdem wurden Seide, Hanf, Pferdehaareund elastisches Material erprobt.
Die Gegner der Naht betonten in früherer Zeit besonders die Gefahr derVersenkung des Nähmateriales. Das ist ein überwundener Standpunkt, seitdem manweiss, dass es nur auf die Desinfection des Materiales ankommt, um es ganz ruhigversenken zu dürfen.
Doch spielte eine lange Zeit die Utero-Parietalnaht eine Rolle. Es sollteder Uterus genäht, über der Serosa sollten die Fäden gekreuzt und sofort auch