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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
728
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728 Kaiserschnitt mit Uterusnaht.

und Muskeln gestochen werden und 12 cm breite Streifen desPeritoneum mitfassen. An den ungeknoteten 45 cm langen Fädenwerden die Bauchdecken von den Eingeweiden abgehoben und nun dieeinzelnen Fäden rasch nach einander geknotet.

Vor der isolirten, fortlaufenden Naht des Peritoneum mit Catgutund einer darüber schliessenden Naht der Bauchdecken möchte ichausdrücklich warnen, weil dies ein Verfahren ist, das zur Bildung vonHöhlen und Verhaltung von Secret innerhalb der Wunde führt. Diesgibt gar zu leicht eine ausgiebige Quelle für profuse Eiterungen.

Wenn ich es auch im Princip für bedenklich halte,auf Zeitbezw. auf die Wette zu operiren," weil dies die Gefahr in sich schliesst,an Genauigkeit es fehlen zu lassen zu Gunsten der Schnelligkeit, sohalte ich dies bei den Kaiserschnitten für geboten, weil es vorerst dar-auf ankommt, die Zeit zu erproben, während welcher der elastischeSchlauch ohne Schaden liegen kann, und weil der Kaiserschnitt einetypische Operation ist, bei welcher man annähernd in jedem Fallegleiche Verhältnisse wiederfindet.

Es ist nämlich schon mehreren Operateuren vorgekommen, dassdie Gebärmutter nach der Lockerung des Schlauches schlaff blieb undfort und fort blutete. Diese Operateure entschlossen sich darob kurzerHand, dem Kaiserschnitt die Uterusexstirpation anzureihen.

Diese Blutungen können nicht überraschen, wenn derelastische Schlauch lange Zeit liegen blieb. Es hinterlässt jedelängere Constriction eine Lähmung der Vasomotoren, weswegen es ausjedem Stichkanal fortwährend blutet. Für mehrere Acte des Kaiser-schnittes ist ein rasches Operiren unbedingt erforderlich.Zunächst für Bauchwand- und Gebärmutterschnitt, damit das Kindnicht zu guter Letzt ersticke, dann rasches Anziehen des provisorischschnürenden Schlauches, damit nicht zu viel Blut verloren gehe, undschliesslich rasche Naht, damit durch den elastischen Schlauch keineunheilbare Lähmung der Gefässmuskulatur zurückbleibe.

Die Nähte für den Uterus brauchen innen nicht ängstlich denDecidualwundrand zu suchen. Ist die Innenfläche des Uterus nichtschon vorher inficirt, so ist es eher vortheilhaft, eine Breite von einigenMillimetern der Decidua mitzufassen. Um so sicherer wird jede ato-nische Nachblutung vermieden. Endlich rathe ich, um den elastischenSchlauch nicht mehr als unumgänglich nöthig ist, liegen zu lassen,nach dem Schluss der tiefen Uterusnähte den Schlauch zu lüften. Manhat früher gar nicht genäht und den Uterus ohne weitere Blutung ver-senken können, warum denn nicht jetzt nach der Naht. Die Decknahthat die weitere Aufgabe, mit Genauigkeit jeden Blutpunct durch Ueber-nähen mit Peritoneum zum Stehen zu bringen.

Zum Verband der Bauchdecken kann man Protective, Watte,Binden etc. nehmen. Seit langem streuen wir Jodoform auf dieWunde, legen Jodoformgaze über und halten alles mit Heftpflaster-streifen fest. Eine Nachbehandlung gibt es nicht, mit Ausnahme derEntfernung der Nähte. Die Wöchnerinnen dürfen nach Ablauf von