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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
727
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Kaiserschnitt mit Uterusnaht. 727

geburfc zuerst über dem Eisacke angespannt und nach der Lösung derEihäute bis auf die Höhe des Schlauches dieser nochmals gelüftet unddie tiefer befindlichen Eihäute mit dem Reste des Fruchtwassers her-vorgeholt, die Durchgängigkeit des Gebärmutterhalses geprüft und nach-träglich der Kautschukschlauch fest angezogen werden. In eigenenFällen Hess sich dadurch ohne irgend einen Nachtheil viel Blut sparen.

8) Vor dem Beginn der Naht ist es nöthig, die Uterushöhle,wenn auch nicht gerade auszuschaben, doch von allen Fetzen undGerinnseln zu befreien. Von der Decidua bleiben leicht grössereStücke zurück, die Unheil bringen können. War die Eiblase vorheruneröffnet geblieben, so muss die Uterushöhle aseptisch sein. Abereinen Nährboden für septische Mikroorganismen darf man nicht zurück-lassen, es hiesse sonst mit dem Feuer spielen. In allen Fällenschabe man stumpf lösend mit dem Daumennagel die De-cidua ab, streue Jodoform hinein und reibe damit dieUterushöhle ein. Dann beginnt

9) die Uterusnaht. Mit halbkreisförmig gebogenen Nadeln,deren Durchmesser 2,5 cm beträgt, waren die Fäden früher mitSeide oder Chromsäurecatgut, jetzt nur noch Juniperusöl-Catgutdoppelt versehen, um sie von innen, vom Rande der Decidua her,nach aussen durchzustechen. Den Einstich kann man am innerenSchnittrand beginnen und etwa 11 1 J2 cm vom Schnittrande der Serosadie Nadeln herausstechen. Die zusammengehörigen Fäden werdenvon dem Assistenten einzeln gehalten und erst geknotet, wenn dietiefen Nähte in der ganzen Schnittlinie liegen.

Eine Resection der Muscularis oder eine Unterminirung der Serosaist nicht nöthig. Dagegen wurde nach Abschneiden der tiefen Nähte,deren Zahl 1216 zu betragen pflegt, die Serosa, von unten her be-ginnend, jederseits in aufgehobener Falte durchstochen und so mit rechtwenig gekrümmten oder feinen geraden Nadeln in Nachahmung derLembert'schen Darmnaht eine Deckung der tiefen Suturen vorgenom-men (die Decknaht), ebenfalls 81012 Nähte.

10) Nach Vollendung der Decknaht wird der elastischeSchlauch gelüftet, der Uterus mit einer Hand fest umfasst undmassirt, damit er sich kräftig zusammenziehe, allfällig blutende Punktewerden umstochen und die Reinigung der Bauchhöhle vorgenommen,wo sie nothwendig ist. In keinem meiner Fälle waren mehr als einigeTropfen Blut von der Bauchwand eingeflossen.

11) Die Uteruswunde bestreue man mit Jodoform-pulver und reibe dasselbe ein.

12) Es folgt die Reinigung der Bauchhöhle von Blut.Meistens ist dies überflüssig, weil nichts in die Bauchhöhle fliessen kann.

13) Mit der Naht der Bauchwunde wird die Operation beendet.Beim langen Bauchschnitt muss nun zunächst die provisorische

Naht wieder gelöst und die ganze Länge von Neuem sorgfältig ver-einigt werden. Dazu benütze und empfehle ich 10 cm lange, geradeoder schwach gekrümmte Nadeln, die durch beide Wundränder, Haut