Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
726
Einzelbild herunterladen
 

726 Die Ausführung des gewöhnlichen Kaiserschnittes mit der Uterusnaht.

mit dem kürzeren Hautschnitt danach von selbst versteht. Es wirdnur das Umlegen des provisorisch schnürenden Schlauches hinaus-geschoben, bis der Uterus entleert ist und durch die Verkleinerung imkleineren Hautschnitt Platz findet.

2) Den Bauchschnitt beginne man in der Linea alba aufder Höhe des Fundus uteri. Da gewöhnlich keine Gefässe bluten,kann man in einem Zuge bis zur Symphyse durchtrennen.

Um das Durchschneiden zu beschleunigen, rathen wir, zuerst dieHaut in der ganzen Länge mit einem Zug zu trennen, dann in derNabelhöhe bis auf den Uterus durchzuschneiden und nun von oben herbis zur Symphyse in der Linea alba zu spalten. Blutet es stärker, sowerden Köberle's Klemmzangen angelegt.

Der Uterus drängt sich in die Bauchwunde vor.

Nun lege man 3) den elastischen Schlauch lose um denUterus. Inzwischen sticht der erste Assistent eine Nadel durch dieBauchwunde oberhalb des herausgewälzten Uterus und knotet sie odersetzt eine Krallenzange ein, damit keine Darmschlingen herausschlüpfenkönnen. Ein zweiter Assistent halte nach Umlegen des Schlauchesunten den Uterus mit Schwämmen und drücke die Bauchdecken an,damit kein Blut oder Fruchtwasser in die Bauchhöhle gelange.

Nun folgt 4) der Uterusschnitt. Den Schnitt habe ich selbstbei allen Operationen so geführt, dass ich mit dem Messer oben amFundus ansetzte, etwa zwei Finger breit bis auf die Fruchthöhle durch-schnitt, dann den Zeigefinger der linken Hand einführte, nun das Messerwechselte und mit dem geknöpften Bistouri den Schnitt in einemZuge abwärts machte, bis zur Extraction des Kindes Raum genug war.In dem Moment, wo mein linker Finger den oberen Schnittwinkel ver-liess, hatte der zur Hand Assistirende seinen rechten Zeigefinger inden Winkel einzuhaken und mir nachgehend sofort nach dem Kind zufassen. War die Blase nicht schon voran gesprungen, so entleerte siebeim Einschneiden ihren Inhalt im Schwall.

5) Während der 1. Assistent das Kind entwickelt, hat die bereitstehende Hebamme den Nabelstrang abzuschneiden, das Kind zufassen, nach Fallenlassen der Scheere sofort den Stumpf der Nabel-schnur zu comprimiren und das Kind in vorgeschriebener Weise zu be-sorgen. Der Operateur seinerseits hat

6) die Ablösung der Placenta durch stumpfes Trennen mitder Hand zu bewirken. Sobald er die Nachgeburt mit der Hand her-ausgehoben und mit zwei Fingern rasch die Durchgängigkeit desCervicalkanales geprüft hat, zieht er

7) den elastischen Schlauch straff an. Sitzt die Placentaan der hinteren Wand, so blutet es nicht stark. Wenn es jedochblutet, was beim Durchschneiden der an der vorderen Wand sitzendenPlacenta sogar recht stark sein kann, so dauert dies nicht.lange, nurSecunden. Mit einem Male wird das Gesichtsfeld klar und rein, sobalddie vorläufige Umschnürung wirkt. Wenn einmal gar zu viel Blut ab-geht, so kann der Kautschukschlauch während der Lösung der Nach-