660 Die manuelle Extraetion am Beckenende.
bringen, um wieder für alle Fälle auf die Manual extraetion zurück-zukommen. Dass zu jeder Zeit die leichtesten Steisslagen durch einfachesAnziehen beendet wurden, braucht keine weitere Erörterung. Schon das war einFehler, dass man die Empfehlung des Forceps für die schwierigeren Verhältnissezuliess; denn gerade die dadurch geschaffene Unsicherheit war das verderbliche.Der Haupterfolg der letzten Decennien liegt darin, dass man ganz gleichmässigfür alle, auch die schwersten Beckehendgeburten, nur die Extraetion mit derHand gelten lässt.
Die Neuerung der Technik, welche zuerst epochemachend wirkte und eineAenderung der Ansichten über den Zangengebrauch anbahnte, war der sogenanntePrager Handgriff. Zuerst beschrieben wurde derselbe von Kiwisch. Nach-dem einmal die Erörterung angeregt war, blieb man nicht bei diesem Operations-verfahren stehen, weil in kurzer Folge vielfache Verletzungen, namentlich an derHalswirbelsäule bekannt wurden. Man kam wieder auf die Methoden der Altenzurück, weil diese die verschiedenen Möglichkeiten des Anfassens dui'chprobirt unddas beste ausgesucht hatten. Unter den Geburtshelfern, welche für die rationelled. h. ausschliessliche Anwendung des wieder zu Ehren gekommenen Handgriffeswirkten, steht überhaupt die Lachapelle, in Deutschland G. Veit obenan.
Die Extraetion bei den Fiisslagen.
Man trennt die Extraetion selbst in verschiedene Acte:1) in das An- und Durchziehen des Rumpfes bis zu den Schul-tern; 2) das Lösen der Arme und 3) das Lösen des Kopfes.So gering die Differenz in der Ausführung ist, so ist es ausden bei den Beckenendlagen besprochenen Gründen höchstwichtig, den ersten Act — also das Durchziehen des Rumpfes— bei den Beckenendlagen so viel einzuschränken als mög-lich und nur auszuführen auf die gleichen Indicationen hin,wie die Zangenoperation.
Dagegen können die letzteren zwei Acte — die Lösungder Arme und des Kopfes — bei allen Beckenendlagen öftersnothwendig werden.
Mit dieser strengen grundsätzlichen Trennung der einzelnen Actewird es leichter, genau zu defmiren, was man unter conservativer Lei-tung der Beckenendlagen versteht. Und mit der grösseren Zurück-haltung erreicht man viel bessere Resultate. Die von der Natur ge-gebenen Beckenendlagen sind dann keineswegs mehr zu fürchten. IhrePrognose ist, wenn sie streng conservativ behandelt werden,wesentlich zu bessern, und man kann erwarten, dass alle inBeckenendlagen sich zur Geburt stellenden reifen Kinder,wenn sie zur Zeit der Austreibung noch leben, auch lebendgeboren, resp. entwickelt werden sollen.
Dieses Ziel habe ich für meinen hiesigen Wirkungskreis erreichenkönnen und dasselbe lässt sich mit Beharrlichkeit in allen Anstaltendurchführen. Ausnahmen wird es natürlich immer geben, in denendas Kind schon vor dem Zeitpunkt, wo der Geburtshelfer eingreifenkann, das Leben verloren hat. Aber man vergesse nicht,. dass esja auch bei den Schädellagen und Zangenoperationen Todesfälle derKinder gibt.