Die verschiedenen Störungen in Folge der Zangenoperation. 649
drücke, rothe Streifen in der Haut, herrührend von den Rippen derZangenlöffel. Wo die Oberhaut nicht stark verletzt ist, haben dieStreifen gar keine Bedeutung. Sie kommen sehr häufig, fast regel-mässig vor und sind nach einigen Tagen nicht mehr zu sehen. DieserDruck macht, selbst wenn er keineswegs bedeutend ist, Facialisläh-mungen. Nach Olshausen wird gewöhnüch derjenige N. facialis ge-lähmt, welcher dem hinteren Zangenlöffel entspricht, so dass der Drucknicht auf den Pes anserinus, sondern auf die Austrittsstelle des N. fa-cialis in der Nähe des Foramen stylo-mastoideum stattfinden muss.Dies ist die Regel; ein Druck auf die Verzweigung des N. facialismacht ebenfalls Lähmungen. Diese Paresen gehen rasch vorüber.
Dringen die Verletzungen durch die Haut, so werden dieselbendurch Gangrän und Abscessbildung dem Kinde gefährlich. Es verlohntsich, solche Stellen genau zu beachten und in entsprechende Behand-lung zu nehmen. Gegen die Kopfblutgeschwulst (Cephalhämatom)braucht man nichts zu thun. So lange die Hautbedeckung erhaltenbleibt, ist das Cephalhämatom ungefährlich und stört in keiner Weisedas Wohlbefinden des Kindes.
Fissuren, Fracturen, Impressionen der Schädelknochen sind Trau-men, die wegen der starken Blutergüsse in die Schädelhöhle gewöhnlichwährend oder bald nach der Geburt den Tod zur Folge haben.
Wir erwähnen weiter den Exophthalmus traumaticus, entstandendurch das Zusammenpressen der Schädelknochen. Auch Verletzungender Augen beim Einführen der Zange sind bekannt, desgleichen Ab-reissen des äusseren Ohres, wenn die Ohrmuschel sich in das Fenstereines Löffels eingelegt hatte und die Zange unvorsichtig abgenommenwurde.
Endlich sind durch Druck der Zangenspitzen auf den Plexus bra-chialis Lähmungen des Armes beobachtet worden; das Merkmal dafür sindgangränöse Drucknarben am äusseren Rand des M. cucullaris s. trapezius.
Statistik der Zangenoperation.
Die Häufigkeit der Operation hängt hier viel mehr von der Will-kür des Operateurs ab, als die der Wendung, weil diese letztere Ope-ration von bestimmten Indicationen — hauptsächlich von einer Quer-lage — abhängig ist. Darum ist auch gerade bei der Statistik derZange die Richtung — ob conservativ oder activ — eher zu erkennen.Wir geben einzelne Zahlen aus der fleissigen Zusammenstellung vonPloss. Boer in Wien machte eine Zangenoperation auf 250 Ge-burten, oder in 0,4 °/ 0 , D'Outrepont in Salzburg auf je 175, oder in0,57 °|o, Röderer einmal auf 75, C. Braun und Späth auf 55,C. Hecker (1860—67) auf 35, Spiegelberg auf 35, Valenta auf 34,Ed. Martin auf 23, Credo in Berlin auf 19, Abegg und Scanzoniauf 17, Pernice auf 13, Crede in Leipzig und Schultze in Jena