648 Die verschiedenen Störungen in Folge der Zangenoperation.
entstellen, und geht es mit Urinverhaltung und Brennen beim Wasser-lassen gnädig ab.
Natürlich kommen diejenigen Zerstörungen gar nicht in Betracht,welche durch das Hinzutreten der Gangrän entstehen. Die gequetschtenTheile brauchen nicht zu mortificiren und thun es gewöhnlich nicht,wenn keine Infection dazu kommt. Ich erinnere mich zweier Fälle,wo beide Schamlippen und die ganzen äusseren Genitalien brandig ab-gestossen wurden.
Am Uterus gibt es Verletzungen durch die Zange am Mutter-mundsaum, wenn dieser nicht ganz eröffnet ist und von den Zangenspitzenmitgefasst wird. Endlich können Falten der Scheidenschleimhaut imSchloss eingeklemmt und als Streifen herausgerissen werden.
Wie wir schon bemerkten, halten wir dies nur beim hochstehendenKopf, der noch zurückweichen kann, für möglich, weil am tiefstehendenKopf die Controle doch zu leicht ist und das Schloss der Zange vordie Genitalien zu liegen kommt.
Durch die Einwirkung der Zange kommen endlich gar nicht seltenheftige Neuralgieen zu Stande. Früher, als das Chloroform un-bekannt war, wurde gelegentlich das Anstossen an dem Nerven äusserstschmerzhaft empfunden. Gewöhnlich sind es Neuralgieen im Gebietdes N. ischiadicus, die auch wie eine Ischias behandelt werden. Ichsah nur einmal diese Neuralgie. Die Kreissende war chloroformirt ge-wesen. Der Druck mit den Zangenspitzen ist stets viel stärker, alsman dies denkt, weil man nur die von der Hand aufgewendete Kraftin Anschlag bringt und die Hebelwirkung übersieht. Scanzoni machtAngaben über Neuralgieen, die sich bloss auf einzelne Zehen erstreckten.Wenn man zur Verhütung dieser Folgen einen Rath geben will, soginge er dahin, die Griffe möglichst bald zu senken.
Läsionen am Becken sind höchst selten. Von vielen vor-sichtigen und erfahrenen Geburtshelfern ist schon beobachtet worden,dass auf massigen Zug die Symphysis pubis sprang. In Rücksichtauf die Anatomie derselben hält es allerdings schwer, wenn Osteomalacieausser Frage ist, nur eine massige Gewalt als Veranlassung anzunehmen.So viel steht jedoch andererseits fest, dass es in vielen Fällen bei An-wendung ,der grössten Gewalt nicht zum Sprengen der Symphysekommt, also doch eine gewisse individuelle Disposition zur Entstehungderselben angenommen werden muss.
Auch die Kreuz-Darmbeinverbindungen können, wenigstens in denvorderen Ligamenten, zerrissen werden. Natürlich kann der Abstandder Knochen so stark als an der Symphysis pubis nie werden; Scan-zoni gibt die Entfernung zu &" oder 13 mm an.
Von Abtrennung des Steissbeines vom Kreuzbein macht TrefurtFälle namhaft, Fracturen der Becke.nknochen werden von Ottound Scanzoni referirt. Während beim Symphysenriss'in gerichtlichenFällen noch entschuldigende Erklärungen möglich wären, ist dies fürsolche grossartigen Verletzungen kaum denkbar.
Die Verletzungen am kindlichen Kopf sind zunächst Ein-