650 Statistik der Zangenoperation.
auf 10, Ritgen in Giessen auf 9, Stein jun. auf 6, Streng in Pragauf 4, Osiander, Fr. Benj. in Göttingen auf je 2 1 J2 Geburten.
Principiell sind nur Berichte aus Kliniken hier aufgeführt worden,weil in den Polikliniken gewöhnlich die Hülfe nur in Anspruch ge-nommen wird, wenn der Geburtsverlauf abnorm ist.
Wenn wir damit die Statistik aus englischen Anstalten vergleichen,so wird man erst bei diesen Zahlen begreifen lernen, wie sehr einigeneuere englische Geburtshelfer Recht haben, gegen die conservativeRichtung zu schreiben. Es ist eben ein grosser Unterschied zwischenenglischem und deutschem Conservativismus. Wenn ein John Clarkeunter 3878 Geburten nur einmal die Zange angelegt hat, so hat ergewiss sehr oft die richtige Anwendung derselben versäumt. Eine solcheZurückhaltung gleicht einer Marotte, um derentwillen ein heilsames In-strument verschmäht wird. Dafür hat derselbe John Clarke unterden 3878 Entbindungen 13mal die Perforation und Cephalothrypsiegemacht.
Im Ganzen wird in England viel weniger die Zange angelegt, undan sich ist das nur um so höher anzuerkennen, als dort die Aerzteregelmässig auch zu normalen Geburten gehen und es also niemals anGeduld und Ausdauer fehlen lassen, um dem treu zu bleiben, was sieals gut erkannt haben. Diese Ueberzeugungstreue und pflichtgemässeAusdauer gehören gewiss zu den werthvollsten Eigenschaften eines Ge-burtshelfers.
Davis, John Hall, machte in Poliklinik und Privatpraxis 1 Zangen-operation auf 1217 Geburten, Denman 1 : 728, Ramsbotham, F. H.,1 : 671, Simpson, J. Y., 1:472. Diejenigen, welche unter den eng-lischen Geburtshelfern die Zange am häufigsten gebrauchten, hattendoch im Allgemeinen erst eine Operation auf etwa 30—90 Geburten.Nur zwei Autoren werden von Ploss angeführt, welche die Zangenoch häufiger gebrauchten: Moore, Edw., 1 :12 und Hamilton 1:7 — 8.Wie sich schon Spiegelberg über die merkwürdige Seltenheit derZangenoperation in England geäussert hat, kannten die früheren eng-lischen Geburtshelfer die eine Indication „gefährdetes kindliches Leben"gar nicht. Dann kommt noch hinzu, dass in England und Irland vielmehr vom Hebel Gebrauch gemacht wird.
Welchen Einfluss die Operationsfrequenz auf die Mortalität derKinder und Wöchnerinnen hat, zeigt folgende Zusammenstellung:
Collins. .
HäufiglZangeiio
. 1
ceit derperatioii
649
KindlicheMortalität
1 :26
MütterlicheMortalität
1 : 329
Dauer
der Geburt
38 Stunden
Hardy .
. 1
355
1 : 20
1 : 334
35 V» ,,
Johnston
. 1
60
1 : 30
1 : 502
29 > ,
Harper .
. 1
26
1 :47
1 : 1490
16 „
Es ist in dieser Tabelle keine Zahl ausser der Geburtsdauer derindividuellen Auffassung anheimgegeben, so dass diese Zusammenstellungbeweist, dass, je häufiger die Zangenoperation (innerhalb der Grenzeder Indicationen) gemacht wird, die Geburtsdauer und die Kinder- und