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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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647
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Die Prognose der Zangenoperation. 647

erklärt sicli durch die raschere Ausdehnung, welche diese Theile er-leiden, wenn operirt wird. Dass die Dammrisse unter geschicktenHänden gerade häufiger entstehen als bei spontanem Verlauf, möchteich nicht gelten lassen.

Die Morbidität und Mortalität der Mütter wird hoffentlich imneunten Decennium unseres Jahrhunderts, wo doch die Prophylaxis all-gemein zur Anwendung kommen wird, sich besser gestalten, als dieZahlen angeben, die jetzt zur Verfügung stehen.

Wenn nach der Operation ein schlechter Verlauf kommt, so kanner zwar schon voran bestanden und gerade die Veranlassung zur Zangen-extraction gegeben haben. War dies aber nicht der Fall, sondern folgtder schlimme Ausgang nach Wehenschwäche u. dergl., so liegt es sehrnahe, den Operateur verantwortlich zu machen.

Zunächst die Blutungen aus Atonia uteri sind fast immer dieFolge von einer zu beschleunigten Extraction. Man hätte länger warten,die Extraction des Rumpfes unterlassen müssen, um dem ermüdetenUterus Zeit zur Erholung zu gönnen. Die Wehenschwäche bedingt keineLebensgefahr, so lange das Kind noch in utero ist. Nach einer raschenEntbindung kann aber eine Frau an Wehenschwäche in der Nach-geburtsperiode durch die atonische Blutung sterben.

Die Prognose des Wochenbettes wird durch Damm- und Vulvar-risse sehr getrübt.

Wenn wir weiter die Verletzungen der Weichtheile berücksichtigenwollen, welche die Prognose trüben, so haben wir nach den Damm-und Vulvarrissen die Durchreibungen zu erwähnen. Es können die-selben entstehen durch gewaltthätige, ruckweise Pendelbewegungen unddurch zu gewaltsames Ziehen. Für die Durchreibungen der hinterenWand wird weniger die Zange, als ein lange dauernder Druck desKopfes zu beschuldigen sein. Sind freilich am Symphysenknorpel nachhinten vorspringende Leisten oder Zacken vorhanden, so lässt sich voneiner Schuld überhaupt nicht sprechen.

In Beziehung auf die Verursachung von Blasenscheiden-f ist ein durch die Zange habe ich an anderem Orte x ) der ErklärungLandaus beigepflichtet, dass hoch liegende Fisteln, deren Sitz demoberen Rand der Symphyse entspricht, nicht durch die Zange, sondernspontan, das ist in'Folge von Druckbrand entstanden sind; dass da-gegen die tief sitzenden, dem unteren Rand des Schambogens anliegen-den Fisteln mit Wahrscheinlichkeit auf Durchreibungen mit der Zangeschliessen lassen.

Lähmungen des Sphincter vesicae sind wohl meist die Folge

eines heftig wirkenden Druckes auf den Schambogenwinkel beim zu

...frühen Erheben der Zangengriffe. In Fällen, die günstiger ablaufen,

werden nur Anschwellungen, ödematöse Durchtränkungen der Harnröhre,

J ) Bayerisch, ärztl. Intelligenzbl. 1879. Juli. Bd. 29. p. 321 und 331. u. diesesLehrbuch p. 419.