646 Die Zangenoperation am nachfolgenden Kopfe.
entsteht das für einen Sachkundigen höchst widerwärtige Bild des planlosenund hastigen Zappeins, der bemühenden Unsicherheit und Aufregung des Opera-teurs. Es ist viel besser, man lehre die angehenden Aerzte nur eine Methodezur practischen Verwendung; diese aber muss jeder, der in die Lage kommenkann,, geburtshilfliche Praxis zu üben, mit so grosser Fertigkeit und Kenntnisshandhaben, dass sie ihm im Leben nachgeht wie das Einmaleins.
Die Zangenanw eirdung am Steiss
ist auch schon im Lauf der Zeiten empfohlen worden. Da die Con-struction der Zange ausschliesslich für das Passen des Kopfes einge-richtet ist, so hält sie gewöhnlich am Steiss nicht fest.
Abgleiten oder zu starkes Eindrücken der Spitzen gegen denBauch des Kindes sind die Folgen der unrichtigen Verwendung.
Den He hei,
•d. h. das eine Zangenblatt — denn dieses kann überall, wo man denHebel zu haben wünscht, denselben ersetzen — haben wir schon obenerwähnt bei Gelegenheit des Querstandes des Kopfes. Das wäre dieeinzige Gelegenheit, bei der man heute noch den Hebel zu empfehlenpflegt. Merkwürdig ist es, dass der Hebel bei sehr vielen Geburts-helfern, die schon von der Zange Kenntniss hatten, in Ehren gehaltenwurde. Wenn er heute noch für Stellungsverbesserungen empfohlenwird, z. B. von Hodge, so ist gegen dessen schonende Anwendungnichts zu sagen.
Bei der Hebelwirkung soll man namentlich das Gegenstemmengegen die Beckenknochen vermeiden, weil dies leicht zu Quetschungenführt. Immer soll bei den Hebelbewegungen Stütz- und Druckpunktin den Händen des Operateurs liegen.
Die Prognose der Zangenoperation.
Den besten Erfolg für Mutter und Kind erreicht man durch mög-lichst conservatives Verfahren. Man kann zwar auch zu lange wartenund die Rettung des Kindes versäumen; doch wird noch häufiger dergegentheilige Fehler gemacht und zu früh operirt.
Die Prognose für die Kinder wird im allgemeinen durch etwashäufigeres Operiren besser, die Prognose für die Mütter aber entschiedenverschlechtert. Ich glaube, dass ein vorsichtiger Geburtshelfer, geradenach den Erfahrungen über die Wochenbettserkrankungen, an einerFrau, die ihm am Herzen liegt, nicht ohne Grund operiren lassen wird.
Ich suche den Grund für die etwas grössere Morbidität in Scheiden-und Vulvarrissen, die der äusseren Luft zugänglich sind und häufig imWochenbett den Ausgangspunkt von septischen, aber autoinfectiösenProcessen abgeben. Dass diese seitlichen Risse nahe unter dem Schwell-körper der Harnröhre häufiger entstehen bei Anwendung der Zange,