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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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632
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632 Die Zangenoperation am hochstehenden Kopf.

letztere verdient hervorgehoben zu werden, weil es auch geschehen kann,dass das Kind aus Nase und Ohr blutet, Zuckungen bekommt u. s. w.Der Erfolg der Operationen ist nicht immer mit der Geburtsgeschichteabgeschlossen.

Wenn die räumlichen Missverhältnisse massig sind — und umenges Becken handelt es sich ja in diesen Fällen immer — so kannder Kopf, in seinem geraden Durchmesser gefasst, durch den Becken-eingang bis. in die Beckenenge gezogen, dann bei steigendem Wider-stand die Zange schräg angelegt werden und damit die natürlicheDrehung noch eher zu Stande kommen. — Aber als Regel bei diesemausnahmsweisen Verfahren gelte stets, einen sehr grossen Wider-stand nicht mit Gewalt zu überwinden und die Herztöne desKindes fortwährend zu beobachten, weil diese den practischenDruckmesser abgeben.

Werden die Fötaltöne langsam und unregelmässig und gehen sieganz vorüber, so verschwindet die Hoffnung auf Erhaltung eines lebendenKindes. Dann ist es besser, aufzuhören, das räumliche Miss-verhältniss durch die Perforation zu beseitigen, um wenigstensdie Mutter unter dem Druck nicht leiden zu lassen.

Endlich darf die Zange gar nicht zur Verwendung kommen, wenndas Becken im cmeren oder in allen Durchmessern verengt ist. Wirdhier der Kopf, dessen Durchmesser grösser sind, als diejenigen desBeckens, mit der Zange extrahirt, so wird, je mehr die Zange in denBeckeneingang hineingezogen wird, dieselbe auch von den Becken-knochen an den Kopf gepresst. Es kann dadurch wirklich eine gegen-seitige Einkeilung stattfinden, so dass die Zange fast nicht mehr abzu-nehmen und der Kopf weder vorwärts noch rückwärts zu schieben ist.

Da man so viel Gefahr läuft, darf man die atypischeZangenoperation nicht leicht, auf gewöhnliche Indicationenhin machen. Wir erachten sie für durchweg unstatthaft bei Wehen-schwäche, Krampfwehen und allen Indicationen von Seiten des Kindes.Wenn man aber entbinden muss, wo die Zange nicht mehr möglichist, gibt es nur ein Mittel — die Perforation.

Wir betrachten also die Zangenoperationen am hoch-stehenden Kopf nur als das ultimum refugium, um nicht, ohnealles versucht zu haben — beim lebenden Kind — zur Per-foration zu schreiten '). Die Indicationen sind dann vollständigdieselben, wie für diese letztere Operation.

Jeder, der eine atypische Zangenoperation unternimmt,muss darüber klar sein, dass er folgerichtig beim Missglückendie Perforation anschliessen muss.

2 ) "Wenn Jemand unter dieser Bezeichnung verstehen will, dass man nichtstark ziehen dürfe, so muss uns doch die ganze Auseinandersetzung vor solcherUnterstellung schützen. Der Ausdruck „Versuch" gilt durchaus nicht der auf-zuwendenden Kraft, sondern der Ungewissheit des Erfolges. Man versucht, ob mandie Operation vollenden kann.