Die Zangenoperation am hochstehenden Kopf. 631
■durch mühsames Einschiehen des Fingers zu fühlen ist. Frühereenglische Autoren gaben eine andere Einschränkung an. Sie verlangten,dass man an der Symphyse hinauf das vorliegende Ohr fühlen müsse,um die Zangenoperation machen zu dürfen. Dies ist deswegen nichtebenso zuverlässig, weil das Ohr auch gefühlt werden kann, wo derKopf nichts weniger als zangenrecht steht.
Bei jedem höheren Stand des Kopfes ist die Operationeine atypische zu nennen: man kann dabei den natürlichen Vorgangder verschiedenen Drehungen nicht mehr nachahmen, man wird meistensden Kopf mehr oder weniger über Stirn und Hinterhaupt fassen. Esist ganz richtig, dass sich der Kopf in der Zange drehen, also einenGeburtsmechanismus durchmachen kann; aber je mehr die Zange überGesicht und Hinterhaupt gelegt wird, um so weniger ist eine Drehungzu erwarten.
An einem grossen Durchmesser gefasst, findet der Kopf in Becken-enge und Beckenausgang die grössten Widerstände. Darum wird dieZangenoperation am hochstehenden Kopf eine Operation auf Biegenund Brechen, weil die grösseren Widerstände leicht zur Entfaltungeiner übermässigen Kraft anspornen.
Unter der Bezeichnung „hoch oder höher stehender Kopf gibtes zwei verschiedene Stellungen. Hochstehend nennen einzelne Autorenden Kopf erst, wenn nur ein kleines Segment im Beckeneingang zufühlen, also der ganze Kopf noch über dem kleinen Becken befindlichist. Hier kann von Zangenoperation überhaupt nicht die Rede sein.Steht der Kopf noch über dem kleinen Becken, so weicht er beim Ein-führen der Zangenlöffel zurück. Denn, wenn es bei oberflächlichemUntersuchen während einer Wehe auch den Anschein hat, dass er fixirtsei, so macht man die gegentheilige Erfahrung, wenn man mit demEinbringen der Zangenblätter beginnt. Vom Zurückweichen kommtdas unvollständige Erfassen des Kopfes. Wenn wir auch bei einemnoch über dem kleinen Becken stehenden Kopf die Zangenapplicationganz verwerfen, so wissen wir, dass einzelne Geburtshelfer dieselbe schonvertheidigt, sehr viele dieselbe schon ausgeführt haben. Ein Kunststückist auch dieselbe nicht so sehr, als es sich Manche einbilden. Ja wirhalten das Anlegen, wenn der Kopf ganz hoch steht, eher für leichter,als wenn derselbe den Beckeneingang ausfüllt. Es wird von der Zangeam unrechten Ort Gebrauch gemacht; denn wo der Kopf so hoch steht,ist die Wendung noch möglich.
Bei der zweiten Art des Hochstandes, wo der grösste Umfangbis in die obere Oeffnung des kleinen Beckens eingetreten ist, kannman über die Operation discutiren. Ist bei einem solchen Stand eineEntbindung unumgänglich nothwendig, so würde ich mich nichtgrundsätzlich ablehnend verhalten. Warum soll man aus prin-cipiellen Bedenken sich gegen einen Versuch sträuben, der die Möglich-keit bietet, die Entbindung mit Erhaltung des Kindes abzuschliessen.Es ist nicht zu leugnen, dass man solche hochstehende Köpfe fassenund die Kinder lebend und vollkommen gesund extrahiren kann. Dieses